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Printergate Euroconsumers: Verbraucherschützer fordern bis zu 150 € Entschädigung für Käufer von HP-Druckern

von Ronny Budzinske

Die Funktion der "dynamischen Sicherheit" kann bei HP-Druckern zu nicht mehr funktionierenden Fremdpatronen führen. Käufer werden darüber nicht ausreichend informiert, so ein europäischer Lobbyverband. Analog zu Fällen in den USA soll HP nun eine Entschädigung an jeden Einzelnen zahlen. Alternativ strebt man eine Sammelklage an. Der Verband bezeichnet das Handeln von HP als "Printergate".


Der private Lobby-Dachverband für den Verbraucherschutz in mehreren europäischen Ländern "Euroconsumers" fordert HP in seinen Mitgliedsländern dazu auf, eine Entschädigung an Druckerkunden zu zahlen, die nach einem Update der Firmware Probleme mit Drittanbieterkartuschen haben.

Mitglieds-Verbände


Dynamische Sicherheit

Aus der Sicht von "Euroconsumers" ist die "dynamische Sicherheit" von HP der Übeltäter. Diese Funktion wird vom amerikanischen Druckerhersteller vergleichsweise offensiv beschrieben und sorgt dafür, dass Fremdmaterial mit "modifizierten" elektronischen Bestandteilen (die nicht von HP stammen) unmittelbar oder später nach einer Aktualisierung der Firmware "unter Umständen" nicht mehr funktionieren. Das Problem ist, dass es Anbietern von aufbereiteten Originalpatronen kaum möglich ist, den zur Sicherheit verbauten Chip zurückzusetzen, damit aufgefüllte Tinten- oder Tonerkartuschen wieder als "voll" deklariert und erkannt werden können.

Eine selbst durchgeführte oder auch automatische Aktualisierung der Firmware eines HP-Druckers kann dann dazu führen, dass das Gerät einen Fehler meldet und nicht mehr druckt. Die Beschreibung dazu ist unter Umständen nicht so spezifisch und kann den Benutzer im Glauben lassen, dass die Kartusche tatsächlich defekt ist und getauscht werden muss.

Strafen in Italien

Bereits im Dezember 2021 wurde HP aufgrund dieser Praktiken von der italienischen Wettbewerbsbehörde zu einer Millionenstrafe verdonnert. Im März 2021 musste man sogar einen Hinweis auf der eigenen Webseite schalten.

Die Italiener beziehen sich dabei auf dortige Gesetze, die von einer EU-Richtlinie gegen "unlautere Geschäftspraktiken" (2005/29/EG) abgeleitet wurden. Es ist also vorstellbar, dass auch andere Mitgliedsstaaten der EU entsprechende Gesetze(sentwürfe) verabschieden oder nutzen und somit Strafen für Druckerhersteller mit ähnlichen Praktiken verhängen können.

Außergerichtliche Einigung in den USA

Die nun im Raum stehenden 100 bis 150 Euro sind dabei nicht ganz aus der Luft gegriffen. Bereits Ende vergangenen Jahres hatte sich HP außergerichtlich mit Kunden geeinigt, die sich zu einer Sammelklage zusammengeschlossen haben.

So hat man sich zu einer Zahlung von 100 bis 150 US-Dollar an klagende Kunden verpflichtet, die sich durch die Sperrung von Fremdmaterialien geschädigt fühlen. Insgesamt stellte HP dort eine Summe von 15 Millionen US-Dollar (ca. 12,5 Mio Euro) zur Verfügung. Damit könnte man um die 10.000 Zahlungen leisten.

Nicht zuletzt aufgrund des Einlenkens von HP in den USA, als auch aufgrund der vorhandenen EU-Richtlinien sieht "Euroconsumers" gute Chancen eine Entschädigung auch in Euroa nach amerikanischem Vorbild durchzusetzen.

Notfalls erwägt man den Schritt einer Sammelklage.

Anmerkungen

In dem Zusammenhang sei erwähnt, dass auch andere Hersteller Fremdmaterial über Firmwareupdates sperren. Dies geschicht jedoch in der Regel komplett undokumentiert. In diesem Punkt ist HP den Mittbewerbern tatsächlich einen Schritt voraus.

Derweil hat man auch das neue Programm "HP+" vorgestellt. Bei neueren Druckern will man seine Kunden dazu bringen, zukünftig komplett auf Tinte oder Toner von Drittanbietern zu verzichten. Dafür lockt man mit Vorteilen. Untersagt werden soll dann jedoch sogar das eigene Befüllen von leeren Kartuschen - auch ohne Modifikationen elektronischer Teile.

04.05.21 20:01 (letzte Änderung)

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