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HP+: Originalkartuschen-Zwang auf "Wunsch"

von Ronny Budzinske

HP-Kunden sollen sich zukünftig freiwillig für die ausschließliche Nutzung von Originaltinte samt Online-Kontrolle entscheiden - während der gesamten Lebensdauer des Druckers. Unterbunden wird dann sogar das eigene Befüllen. Gelockt wird u.A. mit einem halbjährigen Gratisabo für Tinte oder Toner und einigen Cloud-Funktionen.


Wir haben Ende letzen Jahres bereits darüber berichtet: "HP+" wird kommen. Ab Mai 2021 nun auch nach Deutschland. Das ganze System stellt sich jedoch etwas anders dar, als anfangs (von uns) gedacht. Es handelt sich dabei nicht um ein neues Markendach für Abodienste, wie "Instant Ink", sondern um eine Optionsmöglichkeit für Drucker-Käufer, die sich ausschließlich auf Originalkartuschen festlegen möchten.

Wofür "HP+"?

Das Ziel von HP und jedem anderen Druckerhersteller ist klar: Man möchte möglichst viele Originalkartauschen verkaufen. Entweder im Einzelerwerb oder auch mit dem hauseigenen Tintenlieferdienst "Instant Ink". Dieser ist neuerdings auch für ausgewählte S/W-Laserdrucker verfügbar.

Schon jetzt ist die Verwendung von Fremdkartuschen mit HP-Druckern problematisch. Durch die Funktion der "dynamischen Sicherheit" werden modifizierte Patronen oder komplette Nachbauten forlaufend mit einem Update der Firmware ausgeschaltet - quasi mit Ansage.

Doch nun will HP einen Schritt weiter gehen und bietet seinen Kunden "Vorteile" an, wenn diese komplett auf Fremdmaterial verzichten. Dies geht damit einher, dass der Drucker dauerhaft online sein muss und somit auch jederzeit Firmwareupdates einspielen kann. Ob man dies deaktivieren kann, ist noch unklar.

Zu den Vorteilen gehört ein zusätzliches Jahr Garantie (auf zwei Jahre), ein kostenloses "Instant Ink"-Abo für sechs Monate und einige Cloudfunktionen. Geht man darauf ein, kann man seine Entscheidung nicht mehr revidieren und muss für den Drucker dauerhaft Originaltartuschen verwenden und online sein.

Anwender, die Zuhause gar keinen Festnetanschluss mit Internetzugang haben, können diesen Dienst unter Umständen gar nicht nutzen. Druckerchannel ist diesbezüglich mit HP in Klärung.


Entscheidungsfindung

Ob und wie ein HP-Drucker fähig für "HP+" ist, ist abhängig vom Modell. Bisherige Drucker können derzeit (noch) nicht in dieses Programm wechseln. Neue Tintendrucker der Serien Deskjet, Envy oder Officejet erhalten ein "e" am Ende der Modellnummer (z.B. Officejet Pro 9022e) und symbolisieren damit die Möglichkeit zu diesem Programm. Initialisiert werden muss so ein Tintendrucker mit der "HP Smart App", die für Windows, Mac OS, Android oder iOS verfügbar ist.

Binnen sieben Tagen muss man sich dann entscheiden. Lehnt man die Teilnahme ab und verzichtet auf die "Vorteile", dann bleibt man im Standard-Modus - so wie man es bisher von HP gewohnt ist. Hat man sich dafür entschieden, so wird diese Entscheidung direkt an den Drucker gebunden und kann nicht mehr revidiert werden.

S/W-Laserdrucker der M209-/M234-Serie

Etwas anders sieht dies bei den neuen S/W-Laserdruckern der M200-Serie aus. Diese gibt es als Version mit einer "e"-Kennung (z.B. Laserjet M234sdwe). Eine Verwendung ist dann ausschließlich mit "HP+" und somit ohne Fremdtonern möglich. Dazu ist auch ein Onlinezugang zwingend nötig. Im Handel werden diese "e"-Laser-Modelle mit einem Preisnachlass von satten 30 Prozent angeboten.


Dürfen die das?

Mit "HP+" möchte man aber nicht nur den Einsatz von Fremdpatronen unterbinden, sondern auch die Verwendung von wiederbefüllten Originalkartuschen untersagen. Diesen Hinweis findet man auch explizit im Handbuch der neuen "e"-Serie.

Fraglich ist, ob dies in der europäischen Union so überhaupt rechtens ist. Im Grundsatz sollte gelten, dass man aus Umweltschutzgründen die Wiederverwendung von Produkten nicht aktiv unterbinden darf.

Selbst in der finalen Version der Selbstverpflichtung der Originalhersteller (OEM) vom Lobbyverband Eurovaprint ist in der finalen Version beschrieben, dass der OEM diese nicht aktiv behindern darf. Ausgenommen sind lediglich Fake-Kartuschen oder Kartuschen, die mit Wartungs- oder Support-Verträgen geliefert werden.

Vorteile von "HP+

Die stetige Onlineüberwachung begründet HP mit besonders smarten Funktionen der Drucker im "HP+"-Programm. So sind diese Geräte cloudfähig und ermöglichen einen nativen Druck auch von unterwegs. Eine ähnliche Funktion stellt die "HP Smart App" jedoch mit Print Anywhere schon jetzt zur Verfügung.

Privat Pickup

Zumindest gibt es die neue Funktion "Private Pickup". Dabei wird ein über die Cloud ausgelöster Druckauftrag erst dann zuhause gedruckt, wenn ein Handy mit Bluetooth-Funktion in der Nähe ist. Dies soll verhindern, dass womöglich Dritte Zugriff auf wichtige Dokumente haben.


Scannerfunktionen mit OCR

Zumindest für die ersten 24 Monate nach Installation des Druckers wird es zudem einige Zusatzfunktionen für den Scanner geben. So können auf Wunsch Lochungen von Scans automatisch entfernt werden. Ebenfalls gibt es eine Korrektur beim Scan von Büchern und das automatische Ablegen von mehreren kleinen Dokumenten (z.B. Kassenbons), die zeitgleich auf das Scannerglas gelegt werden.

Erweitert wird auch die OCR-Funktion. So lassen sich neben durchsuchbaren PDF-Dokumenten (das geht auch jetzt schon ohne HP+) zudem auch Text-Dateien oder Office-Dokumente (DOCX) mit dem erkannten Textinhalt erstellen.

All diese Zusatzfunktionen aus der Smart-App werden jedoch regulär nach 24 Monaten kostenpflichtig. Wie hoch der Beitrag ausfallen wird ist bisher noch nicht bekannt gegeben worden.

Die bisherige Funktion "durchsuchbares PDF" entfällt ersatzlos für Nutzer von "HP Standard". Dieses lässt sich nun über das kostenpflichtige "Smart Advance"-Paket dazu buchen.

"HP Forest First"

Die Anzahl der gedruckten Seiten lassen sich jederzeit online über die Smart-App abfragen. Als Besonderheit will HP im Rahmen des Programms "Forest First" den CO2-Fußabdruck der verbrauchten Blätter kompensieren. So sollen andernorts beispielsweise neue Bäume gepflanzt werden.

Zusatzgarantie

Etwas komplexer wird das ganze bei der Garantieleistung. Standardmäßig gewährt HP eine Absicherung gegenüber späteren Schäden von 12 Monaten. Mit "HP+" verlängert sich diese automatisch auf 24 Monate.

Für ausgewählte Büo-Tintendrucker der Officejet-Serie ließ sich diese jedoch kostenlos auf 3 Jahre erweitern. Für die neueren "e"-Modelle fällt die kostenlose Erweiterung in dieser Form weg. Dafür gibt es dann nur noch ein Jahr "Bonusgarantie" bei den Officejet-Modellen der "8000e"- und "9000e"-Serie nach spezieller Registrierung binnen 60 Tagen ab Kauf. Nur in Zusammenspiel mit "HP+" hat man dann noch immer die "gewohnte" Garantie von drei Jahren ohne Zusatzkosten.

6 Monate Instant-Ink

Besonders Interessant erscheint das Angebot volle sechs Monate keine Tinten- oder Tonerkosten zu haben. Mit "HP+" wird die Option auf ein kostenloses Probeabo angeboten. Selbst wenn "Instant Ink" nicht für die Verwendung von "HP+" notwendig ist.

Beachten sollte man allerdings, dass für diesen "Gratistest" bereits die mit dem Drucker gelieferten Originalkartuschen verwendet werden. Druckt man also relativ wenige Seiten und verbraucht die Starterkartuschen in sechs Monaten nicht, so hat man gar nichts gespart. Bei den neuen Laserdruckern müsste man beispielsweise mindestens 700 Seiten in diesem Zeitraum drucken. Gleiches gilt für den Officejet Pro 9022e - wobei den Druck von Plakaten oder Fotos deutlich früher zu leeren Tintenpatronen führen wird.

HP+ Programm
HP StandardHP+
Geräteauswahl
HP Deskjet 2700e-, Plus 4100e-,
Envy 6000e-, Envy 6400e-, Officejet 8000e-, Pro 9000e-Modelle
Entscheidung binnen 7 Tagen nach Erstinstallation
(nicht revidierbar)
HP Laserjet M200-Modelleja
HP Laserjet M200e-Modelle
(30% günstiger)
zwingend
(nicht revidierbar)
HP-Drucker ohne e hinter dem Modellnameneventuell später nach Firmwareupdate möglich
Bedingungen
Zwingende Verwendung von Originaltinte/Tonertheoretisch möglich
(dynamische Sicherheit kann dies dennoch unterbinden)
erforderlich
Drucker muss dauerhaft online verbunden sein (temporäre Pausen möglich)erforderlich
Registrierung des Druckers bei HPoptionalerforderlich
Leistungen
Instant-Ink2 Monate kostenlos
für kompatible Drucker
(verwendet werden die mitgelieferten Kartuschen)
6 Monate kostenlos
(verwendet werden die mitgelieferten Kartuschen)
Garantie12 Monate24 Monate
Bonusgarantieweitere 12 Monate nach spezieller Registrierung
für ausgewählte Officejet-Pro-Modelle
kostenlose Garantieerweiterung nach Registrierungneinnein
Gewährleistung24 Monate durch den Händler
(Beweislastumkehr nach 6 Monaten)
"HP Forest First"Kompensation der gedruckten Seiten
Cloudprinting"Print Anywhere" (in der Smart App)Natives "In-OS-Cloudprinting"
Erweiterte Workflow-Funktionen in der App24 Monate kostenlos
danach als Zahlabo
(z.B. durchsuchbare PDF, TXT, DOCX)
© Druckerchannel (DC)

Fazit

Das neue "HP+"-Programm hat offenkundig den Verkauf von Originalkartuschen als Hauptgedanke im Sinn. All diejenigen, die ohnehin schon ausschließlich zu Originalware greifen oder auch den recht bequemen Lieferdienst "Instant Ink" nutzen, dürften sich daran vielleicht gar nicht großartig stören. Kunden die jetzt oder auch zukünftig auf günstigere Nachbauten oder auch ein ökologisch sinnvolles Refill verwenden möchte, sollten allerdings einen Bogen um die Aktivierung oder der Verwendung der neuen Laserjets mit einem "e" am Ende des Modellnamens machen.

Für Viele wird aber allein der Online-Zwang ziemlich ärgerlich sein. So kann man seinen "HP+"-Drucker zwar auch zukünftig noch USB betreiben, allerdings nur, wenn dieser zusätzlich über Wlan oder Ethernet mit dem Internet verbunden ist.

30.04.21 10:47 (letzte Änderung)

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