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Versatz bei Epson-Druckern mit Precisioncore-Druckkopf: Der Kursivbug - Versatz beim Druck

Seit Einführung von ersten Geräten mit Epsons "Precisioncore"-Druckkopf-Chips im Jahr 2013 häufen sich Meldungen über Versatzstellen beim Druck. Nachdem es um das Problem ruhiger wurde, häufen sich aktuell diese Fehler bei den Epson-Ecotank-Modellen.

Hinweis: Für mindestens einen in diesem Artikel erwähnten Drucker ist der ausführliche Testbericht "Mal so richtig billig drucken" sowie "Drei einfache Büro-AIOs für unter 170 Euro" sowie "Tintenprofis für den Büroalltag" verfügbar.


Epson hat im Jahre 2013 neue Piezo-Druckköpfe unter der Bezeichnung Precisioncore vorgestellt. Das besondere an den Precisioncore sind einzelne Druckchips, die durch Kombination skalierbar sind und aufgrund ihres breiten Abdeckungsbereiches von rund 3,4 cm mit weniger Druckbewegungen als üblich eine A4-Seite bedrucken kann. Dazu soll sich die Feuerfrequenz gegenüber den bisherigen Piezo-Düsen erhöht haben.

Erstmals wurden diese Druckköpfe in die neue Workforce-Generation im Frühjahr 2014 in erste Geräte integriert - allen voran beim besonders nachgefragten WF-3620DWF, aber auch beim noch immer aktuellen WF-5620DWF.

Versatz in einigen Druckzeilen

Schon recht kurz darauf gingen im Druckerchannel-Forum erste Meldungen ein: "Schiefe Zeilen" oder einen Versatz an mehreren Stellen auf Textdokumenten. Später hat sich im DC-Forum der Begriff "Kursivbug" für diesen Effekt durchgesetzt.

Wenn der Fehler auftritt, dann nur in Normalqualität oder im Entwurfsmodus. Die hohe Qualitätsstufe ist nicht betroffen.

Diese Drucker sind womöglich betroffen

Betroffen sind nicht alle Modelle mit Precisioncore-Druckchips. Weiterhin gilt, dass nicht alle Geräte eines Typs, die diesen Fehler gezeigt haben, betroffen sind. Offenbar hatte Epson bei der Fertigung nachjustiert und die Meldungen von Fehlern sind mit der Zeit zurück gegangen. Erst mit der Vorstellung neuer Ecotank-Drucker, wie dem ET-4750 gibt es erneut Meldungen mit stark ausgeprägtem "Kursivbug".

Nachfolgend alle Drucker mit Precisioncore-Druckchips. Womöglich trifft der Effekt bei einigen aufgelisteten Modellen nicht oder nur teilweise zu.

Generation 2014-2016

Generation ab 2017


So wirkt sich der Kursivbug aus

Solche Versätze können auch bei anderen Tintendrucker-Hersteller auftreten - dort lassen sie sich in der Regel aber über die manuelle oder automatische Justierung beheben. Beim Epson-Kursivbug bringt dies jedoch keinerlei Verbesserung.

Um festzustellen, ob der eigene Drucker vom Kursivbug betroffen ist, kann man nach durchgeführter Druckerkalibrierung aus dem Wartungsmenü unser Testmuster drucken. Falls man vom Problem betroffen ist, sollte sich an den geraden Positionen (#2 und #4) Verschiebungen deutlich machen. Ein geringer Versatz ist normal.

Bei den Epson-Precisioncore-Druckern gibt es im Fehlerfall einen Versatz, der alle ca. 6,77 cm (doppelte Druckkopfbreite) auftritt - auf einem voll bedruckten A4-Blatt kann das also bis zu vier Mal der Fall sein. Fällt die entsprechende Position genau in einen Zeilenumbruch ist der Fehler entsprechend weniger häufig bis gar nicht sichtbar.

Testdokumente


Deshalb funktioniert die Kalibrierung nicht

Eine Kalibrierung sollte das Problem beheben - dem ist aber nicht so. Bei einer normalen vertikalen Kalibrierung geht es im Grunde lediglich um die Korrektur von leicht verschobenen Linien, die dann ebenso zu diesem Versatz-Effekt führen.

Dabei wird ein Testmuster gedruckt, das dann mit einem Referenzwert verglichen wird und dafür sorgt, dass der Druckwagen nach dem Drucken in die eine Richtung an der korrekten Stelle "wendet", um dann wieder an der richtigen Stelle anzusetzen.

Bei der Beispielabbildung kann der Fehler (roter Versatz) an der Position #1 und damit auch an allen anderen Postionen mit ungerader Positions-Nummer (#3, #5, ...) erkannt und korrigiert werden.

Da der Versatz beim bedrucken der Rückrichtung, bis hin zum Wenden (gerade Postionen, #2, #4, ...) das gleiche Ausmaß hat, wird der Fehler hier ebenfalls ausgeglichen.

Im Ergebnis erhält man nach erfolgreicher Kalibrierung eine gerade vertikale Linie ohne oder mit nur minimalen Versatz.

Das passiert beim Kursivbug und deshalb wirkt die Kalibrierung nicht

Genau die gleiche Prozedur bei den Precisioncore-Modellen der ersten Generationen angewendet, führt zum erstaunlichen Ergebnis, dass sich die Fehlerhäufigkeit plötzlich halbiert hat, an deren Stellen jedoch quasi im Ausmaß verdoppelt.


Beim genauen Hinsehen kann man erkennen, dass die einzelnen Drucklinien, die das Gerät in einem Durchlauf zu Papier bringt, nicht ganz "im Lot" zur Druckrichtung sind. Es wirkt, als ob die Druckdüsen etwas schräg angeordnet sind und daher dieser Effekt auftritt. Dies führt dazu, dass der Druck - neben den Stufen - tatsächlich minimal "Kursiv" ist.

Da das Phänomen in hoher Auflösung bei langsamerem Drucktempo jedoch verschwindet, kann man ausschließen, dass eine Schrägstellung des Druckwagens die Ursache ist. Vielmehr vermuten wir, dass der Druckkopf azimutal schief aufgehangen ist, und die erste Düse einen anderen Papierabstand hat, als die Hinterste - dies führt bei einer besonders hohen Feuerfrequenz dazu, dass die Düsen mit höherem Abstand einen weiteren Weg zum Papier haben und damit auch später auf dem Blatt landen. Normalerweise müsste sich dieser Effekt beim Druck in Rückrichtung drehen und den Fehler damit ausgleichen. Warum dies nicht der Fall ist, ist nicht klar.

Da die Schräge stets in die gleiche Richtung zielt, hilft auch das ausschalten des bidirektionalen Druckens nicht. In höherer Qualität - so vermuten wir - wird das Problem durch eine niedrigere Geschwindigkeit des Druckwagens behoben.

Mit der normalen Kalibrierung, die die Drucker der ersten Generationen mit diesem Kopf durchführen, kommt man daher nicht weit. Es wird lediglich der Linienabstand von der Hin- mit der Rückrichtung verglichen und damit nur die Positionen mit ungerader (#1,#3,...) Nummer bei unserem Beispiel ausgeglichen. Durch die dadurch im Anschluss durchgeführte Verschiebung erhöht sich der Versatz an den anderen Postionen: Der Kursivbug ist geboren.

Bei perfekt durchgeführter, vertikaler Kalibrierung im Wartungsmenü führt dies daher zu einem mehr oder weniger starken Versatz in doppelter Läge des Druckkopfs - also 2 x 1,33 Zoll = alle 6,77 cm.

Lösungsansätze von Epson

Offenbar hat Epson das Problem erkannt und versucht diese durch eine zusätzliche Kalibrierungs-Option in den Griff zu bekommen. Neuere Drucker, wie die aktualisierten 2017er-Workforce-Modelle oder die aktuellen Ecotanks sind ab Werk mit einer zusätzlichen Justierung ausgestattet.

Diese Linear-Linienausrichtung überprüft zusätzlich zum Versatz von der Hin- zur Rückrichtung, auch den in Versatz in entgegengesetzter Richtung. Durch Berechnung der Differenz sollte es möglich sein, auch die "Schrägstellung" der gedruckten Reihe zu ermitteln und entsprechend zu reagieren.

Keine Lösung für ältere Drucker in Sicht

Bei den älteren Generationen ohne Linear-Linienausrichtung ist wohl nichts zu machen. Der Drucker selbst "weiß" mangels Kalibrierung erst gar nichts von dem Problem. Hier müsste Epson die Firmware erneuern - ob dies geschieht ist eher zweifelhaft.


Epson hat nachgebessert

Bei den neueren Modellen scheint die Lösung dann wohl so auszusehen, dass der Druckkopf einige Abschnitte der Düsen in einem Zug entsprechend selbst etwas verzögert abfeuert, um selbst eine schräge Linie in entgegengesetztem Winkel zu drucken. Zumindest deuten einige Drucke unter Lupe darauf hin.

Dabei besteht die "schräge Linie" in der Praxis jedoch "nur" aus drei leicht voneinander abgestuften Linien - ein nahtloser Übergang wird hier wohl aus Steuerungstechnischen Gründen nicht möglich sein.

Im Ergebnis wird ein sehr starker Versatz in sechs entsprechend kleinere Abstufungen aufgeteilt, wodurch der Effekt in der Praxis kaum noch Relevanz haben dürfte. Dass Epson diese Weg geht, ist indes noch nicht gesichert, jedoch weist die untenstehende Abbildung stark darauf hin.

Kalibrierung offenbar derzeit Fehlerhaft

Insbesondere bei den neuen Ecotank-Modellen mit recht einfachem Druckwerk gibt es jedoch Meldungen im Forum, die dennoch einen mehr oder weniger starken Versatz beim Druck haben.

Bei aktuellen Workforce-Druckern, wie dem WF-3720DWF oder WF-4720DWF konnten wir kein großes Problem feststellen. Diese Fehler sind nach einer gründlichen Kalibrierung fast komplett behoben.

Druckerchannel hat sich das bei den Ecotanks näher angesehen und festgestellt, dass der Kalibriervorgang nicht wie bisher üblich abläuft und offensichtlich noch einen Fehler enthält. Im Normalfall werden stets 7 verschiedene Muster gedruckt, wobei davon jeweils 3 in negativer Richtung und 3 in positiver Richtung abweichen. Im korrekt kalibrierten Zustand ist die mittlere Position (4) der Wert ohne Fehler.


Stellt man beim Kalibrieren fest, dass die "7" der beste und damit korrekte Wert ist, sollte exakt dieses Muster im nächsten Durchlauf an Position "4" erscheinen und somit den Vorgang erfolgreich abschließen.

Bei den aktuellen Ecotanks scheint diese jedoch nicht zu funktionieren. Scheinbar ändert sich das Kalibrierungsmuster nur kaum sichtbar - egal was eingestellt wurde.

Druckerchannel hat sich mehrere Ecotank-Geräte angeschaut, und konnte dies zumindest in einem Fall nachvollziehen. Selbst bei häufiger Kalibrierung hintereinander stellt sich kaum eine Besserung ein. In einigen Fällen führte die Kalibrierung sogar zu einer Verschlimmerung des Effektes, weil der Drucker in die falsche Richtung ausgeglichen hat.

Neue Firmware

Überraschenderweise ist Ende November 2017 eine neue Firmware erschienen. Für den ET-4750 ist dies die Version "LU07HB". Für das Update selbst gibt es in Deutschland keine Änderungshinweise. Lediglich für den japanischen Markt gibt Epson diesbezügliche Hinweise. Die Übersetzung ins Deutsche klingt verlockend, beschreiben die Änderungshinweise offenkundig exakt das Problem.

"Ein Punkt wurde korrigiert, an dem Offset-Werte gespeichert werden, wenn die Druckkopfposition eingestellt wird."

Leider konnten wir auch mit dieser Firmware keinerlei Besserung feststellen. Das Verhalten des Druckers entspricht genau dem, mit der vorherigen Software-Version.

Ausblick

Wir gehen davon aus, dass das Problem mit zukünftigen Firmware-Aktualisierungen tatsächlich mit der oben genannten Methode einigermaßen in den Griff zu bekommen ist. Sicher ist dies jedoch in keinem Fall.

Laut Epson ist ein gewisser Versatz innerhalb der Spezifikation und muss daher hingenommen werden. Ab welchen Grenzwert man die selbst gesteckten Spezifikationen überschreitet konnte man uns bis jetzt nicht mitteilen.

Wer einen "betroffenen" Drucker erworben hat, kann also entweder auf eine Lösung des Problems durch ein Firmware-Update hoffen, oder aber als Privatkunde auf einen Austausch oder die Rücknahme beim Händler binnen der gängigen Frist setzen.

15.12.17 10:52 (letzte Änderung)
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