Single-Use printer cartridge ban: Geplante Maßnahmen der Europäischen Union
Aber da war doch noch was!? Wollte nicht auch die EU etwas bei diesem Thema unternehmen? Dieses Mal scheint die, oftmals als regulierungswütig verschriene, Europäische Union tatsächlich mal einen Schritt zurückzuliegen, oder?
Weit gefehlt, denn immerhin gibt es mit der gut gemeinten WEEE-Richtlinie
(2012/19/EU, "Richtlinie über Elektro- und Elektronik-Altgeräte" ein starkes Schwert im Köcher. Diese ist zwar nicht speziell für Tintenpatronen konzipiert worden, betrifft diese aber im vollen Umfang. Ursächlich dafür sind die elektronischen Bauteile in Form von Chips und/oder Einweg-Druckköpfen, die fester Bestandteil einer (fast) jeden "guten" Kartusche sind.
Leider hat sich die Richtlinie, besonders aus Sicht der europäischen Aufbereiter (zusammengeschlossen unter ETRIA
), als ziemlich zahnlos herausgestellt. So wird zwar verlangt, dass die Altkartuschen zur Wiederverwertung zurückgenommen werden und es dafür auch einen offiziellen Ansprechpartner geben muss, jedoch wird das überhaupt nicht überwacht. Zudem entstehen den seriösen Anbietern zusätzliche Kosten, die den Preisvorteil der billigsten "China-Tinte" nochmals größer machen.
Die volle Hoffnung wird daher nunmehr auf eine Regulierung gesetzt. Zunächst sah es lange Zeit so aus, als ob sich die Druckerindustrie selbst auf Maßnahmen für eine bessere Wiederverwendung von gebrauchten Kartuschen einigen könnte. Nach dem Scheitern der zu diesem Zweck von der EU angeregten "freiwilligen Vereinbarung" in 2022 hat sich die Europäische Kommission nun aber selbst auf den Weg gemacht, den Markt von Druckern und dessen Verbrauchsmaterialien umweltfreundlicher zu gestalten.
Der letzte Entwurf stammt von 2024. Man munkelt, dass dieser noch 2026 finalisiert, eingebracht und gegebenenfalls sogar beschlossen werden könnte. Der Zeitplan würde dann in etwa so aussehen, wie der in Los Angeles. Deutlich vor 2028 dürfte auch dieser keine Anwendung finden.
Reparierbarkeit und Wiederverwendbarkeit im Fokus
Die derzeit im Raum stehenden Maßnahmen sind aber deutlich anders gelagert und für die Originalhersteller wesentlich weitreichender als das, was man in Los Angeles plant. Der Fokus wird auf die Reparierbarkeit und Wiederverwendbarkeit von Druckern und deren Verbrauchsmaterialien gelegt. Dazu gehören eine lange Versorgung mit Ersatzteilen, Sicherheitsupdates und eine allgemein einfachere Reparaturmöglichkeit.
Spannend wird es bei den Verbrauchsmaterialien. Anders als bei der LA-Lösung sollen Originalhersteller keine Maßnahmen mehr ergreifen, die die Wiederverwendung durch Drittanbieter behindern. Zumindest größeren Aufbereitern soll es ermöglicht werden, die Chips zurückzusetzen oder als Ersatzteil zu erwerben. Die Nutzung der erneuten Kartusche darf dann auch keinerlei Einschränkungen gegenüber Neupatronen haben. Es darf keine Meldung über eventuell schlechtere Druckqualität erfolgen. Im kleinen Umfang macht HP genau das bereits seit 2024 im Rahmen des Secureuse-Programms. Nach Informationen von Druckerchannel fallen dafür jedoch nicht unerhebliche Kosten an.
Gefordert wird zudem, dass sich die für eine Wiederbefüllung oder Instandsetzung benötigten Arbeitsschritte mit handelsüblichen Werkzeugen ohne Zerstörung durchführen lassen. Das betrifft die Kartuschen selbst, die eventuell nötige Montage der Chips oder auch Druckköpfe.
Mindestreichweiten
Seitens der EU sind des Weiteren Vorschriften geplant, die eine Mindest-Tinten- und Tonerkapazität von Patronen, in Abhängigkeit von der Druckerleistung, vorsehen. Resttintenbehälter sollen grundsätzlich vom Benutzer wechselbar sein, wie es schon jetzt bei vielen Druckern von Canon und Epson der Fall ist.
Nicht mutig genug?
In der EU wird es voraussichtlich nicht darum gehen, billige Nachbauten zu unterbinden, sondern das Recycling von Materialien und die Wiederverwendung von Kartuschen zu stärken. Somit gibt es in den beiden "Konzepten" keine großen Überschneidungen.
Am Markt bereits seit langem etablierte Lösungen im Bereich der Tintentankdrucker werden wohl nicht zum Standard erklärt. Das wäre tatsächlich ein Systemwechsel und könnte die Ressourcenverschwendung bei der "Verpackung" der Tinte massiv reduzieren. Zugleich könnte eben auch das "Ärgernis" der Drucker-Industrie mit alternativen Verbrauchsmaterialien lösen.
Verdienen würden die Hersteller dann bereits beim Druckerverkauf und müssten nicht mehr auf Aboabschlüsse oder den Kauf der teuren Patronen durch die Druckerbesitzer hoffen. Der kürzlich ausgeschiedene HP-Chef Lores hat das offene Geheimnis beim aktuellen Geschäftsmodell sogar ausgesprochen.
Nicht zuletzt entfällt dann auch weitgehend der Ärger über die teure Tinte, die einem den Spaß am Drucker vermiest. Und das, bei einem ohnehin schon rückläufigen Markt.
Auch für Laserdrucker gibt es bereits jetzt ökologische Lösungen. Neben "HP Laserjet Tank" setzen seit Ewigkeiten auch viele High-End-Kopierer auf große Tonerkartuschen (oder Röhrchen) mit wenig Drumherum.
Vielleicht ist es auch naiv. Man wird ja aber wohl noch träumen dürfen...


WEEE: Tintenpatronen mit elektronischen Bauteilen (also quasi alle) dürfen in der EU nicht im Hausmüll entsorgt werden. Eine Rücknahme ist "eigentlich" verpflichtend.
