Mutoh-Übernahme: Brother will unbedingt ins Großformat
Dass der ziemlich profitable Druckerhersteller Brother auf Wachstumskurs ist, ist kein Geheimnis. Potenzial sehen die Japaner derzeit insbesondere im Segment Tintendrucker. Erst im Herbst 2025 hat man eine Kampagne gestartet, die die Marktanteile in den Bereichen Home-Office und Business deutlich ausweiten soll. Aktuellen Zahlen nach, dürfte man derzeit wohl noch klar im einstelligen Bereich liegen, während Epson mittlerweile Marktführer ist.
Wachsen möchte man jedoch auch im Bereich "Large Format" und mit Produkten für vertikale Märkte. Seit geraumer Zeit ist man dafür bereits mit Textildruckern (DTM/DTF) und neuerdings auch mit einem ersten Großformatdrucker, dem "WF1-L640" vertreten. Dieser ist in Zusammenarbeit mit dem renommierten Hersteller Roland ("Roland DG") entstanden. Die Besonderheit an diesem Modell ist die verwendete Tinte, die auf Latex basiert, und der von Brother selbst entwickelte Druckkopf.
In diesem Segment ist HP mit seiner Technologie derzeit unangefochtener Marktführer. Epson als weiterer großer Anbieter und wichtigster Druckkopflieferant für Roland bietet eigene Modelle unter der RS-Serie ("Resin"), verkauft die Technik derzeit aber nicht an Dritte.
Kauf von Roland DG gescheitert
Genau hier sieht Brother seine Chance. Im Frühjahr 2024 hat man dazu ein öffentliches Übernahmeangebot an die Aktionäre von Roland DG gerichtet. Trotz eines zwischenzeitlich erhöhten Angebots seitens Brother platzte die Übernahme dann aber doch. Letztendlich kam es zu einem Management-Buy-out
.
Neuer Versuch mit Mutoh
Fast zwei Jahre später startet Brother einen zweiten Versuch, sein Portfolio nachhaltig zu vergrößern. Dazu hat man nun das ebenfalls japanische Unternehmen "Mutoh" ins Blickfeld genommen. Das im Vergleich zu Brother und auch Roland DG deutlich kleinere Unternehmen hat im letzten Finanzjahr (bis März 2025) einen Umsatz von umgerechnet lediglich 100 Millionen Euro (18,128 Mrd. Yen) erwirtschaftet. Weltweit arbeiten 595 für das Unternehmen, welches sich auf Großformatdrucker und Schneidplotter spezialisiert hat.
Das Übernahmeangebot an die Aktionäre von Mutoh stammt vom 4. Februar und gilt bis zum 23. März 2026. Geboten werden 7,5 ¥ je Aktie. Der letzte Schlusskurs vor der Ankündigung war knapp unter 3 ¥. Das Angebot gilt, wenn Brother bis zum Stichtag zumindest in den Besitz von 66,29 % der Aktien gelangt.
Die vollständige Übernahme würde dann, falls nötig, über ein sogenanntes "Squeeze-out-Verfahren
" ablaufen. Brother hat bereits vertragliche Zusicherungen von 41,68 Prozent der Unternehmensanteile von Mutoh.
Bei knapp über fünf Millionen Anteilen ergibt sich ein Kaufpreis von 38 Mrd. Yen oder umgerechnet 205 Millionen Euro.
Portfolio nach der Übernahme
In einer Präsentation von Brother wird deutlich, an welcher Stelle Mutoh derzeit eine Lücke im Portfolio hat. Die meisten aktuellen Geräte (insbesondere für den Druck im Außenbereich) basieren auf Tinten, die auf einer UV-Aushärtung oder auf Lösungsmitteln basieren. Der Bereich von Latex-Tinten könnte durch Brother abgedeckt werden - siehe dem WF1-L640. Zudem ist Mutoh derzeit stark von Epson abhängig, die die meisten Druckköpfe liefern. Eine schrittweise Ersetzung durch Köpfe von Brother könnte Kosten sparen, bringt aber wohl auch Risiken durch den Wechsel von etablierter Technik mit sich.
Der Markt
In erster Linie wird der Markt (unterhalb vom Produktionsdruck) von HP, Canon und Epson dominiert. Weitere Anbieter sind Roland DG, Mimaki oder eben Mutoh. Im Produktionsbereich gibt es eine Reihe anderer Anbieter, mit denen Mutoh derzeit jedoch nicht konkurriert.

Übernahmekandidat: Brother will Mutoh kaufen. Bild: Brother, Mutoh, DC-Komposition

