Epson und "Windows Ready Print": Epson steht (zunächst) ohne Druckunterstützungs-App da
Eigentlich war mehr als genug Zeit zum Handeln. Denn obwohl bereits seit drei Jahren feststeht, dass Microsoft ab Juli 2026 einen Einheitstreiber für sämtliche Drucker unter Windows forcieren will, zieht Epson zunächst nicht in voller Konsequenz mit.
Aber der Reihe nach: Als Basis hat sich Microsoft für das "moderne Drucken" auf ein IPP-Protokoll nach den Spezifikationen von Mopria festgelegt. Kürzlich hat das Ganze auch einen (zumindest aus Sicht von Microsoft) griffigen Namen bekommen: "Windows Ready Print". Dieser sollte auf keinen Fall mit Epson "ReadyPrint" verwechselt werden - unter diesem Markendach fassen die Japaner sämtliche Drucker- und Tintenabos zusammen.
Praktisch und universell
Der neue Standard ermöglicht es, dass auch ohne einen speziellen Treiber gedruckt werden kann. Umgesetzt wird das über ein einheitliches Rasterbildformat (alternativ auch ein PDF), welches von kompatiblen Druckern akzeptiert und dann vom Gerät selbstständig aufbereitet wird. Für die Mehrheit der GDI-Drucker bedeutet das, dass die konkrete Ansteuerung der Druckpunkte (also die Düsen bei Tintendruckern oder die Belichtung bei Laserdruckern) vom Gerät selbst erledigt wird.
Welche Funktionen das Gerät unterstützt, wird zuvor mit dem Klassentreiber "ausgehandelt" und dem Benutzer auf der Einstellungsseite dargestellt.
Die meisten Epson-Drucker unterstützen "Windows Ready Print"
Um es zunächst unmissverständlich klarzustellen: Fast alle Ecotank-, Expression- und Workforce-Modelle der letzten zehn Jahre sind mit dem modernen Standard kompatibel. Zu den sehr wenigen Ausnahmen gehören jedoch (die ziemlich häufig verkauften) Tintentanker der Ecotank-ET-2860-Serie und der ET-1810 ohne Scanner. Für beide Modellserien wurden erst kürzlich Nachfolger vorgestellt, die voll "Windows Ready Print"-fähig sind.
Derzeit keine angepasste Optik und nur Basis-Funktionsumfang
Was Epson bislang allerdings nicht umgesetzt hat, ist eine sogenannte "Druckunterstützungsanwendung" (englisch für "Print Support App", kurz PSA), die die Treiberoberfläche optisch und funktional erweitern kann.
Die Originalhersteller haben mit dieser die Möglichkeit, das "Look & Feel" des Treibers in eigene Form zu packen und spezielle Funktionen, die vom Mopria-Standard nicht vorgesehen sind, zu ergänzen. Wie das bei Druckern von Brother, Canon und HP aussieht, haben wir in einem Artikel ausführlich beschrieben. Für Epson-Drucker bleibt der "Windows Ready Print"-Druckertreiber ziemlich nüchtern, wenn auch funktional durchaus brauchbar.
Nachlässigkeit oder bewusste Entscheidung?
Über die Gründe, warum Epson zum Start der Priorisierung der IPP-Klassentreiber keine angepasste Bedienoberfläche bietet, kann man nur spekulieren. Auf Anfrage hat uns Epson den Fakt allerdings offen bestätigt. Der japanische Hersteller sieht schlichtweg keine Notwendigkeit zum akuten Handeln. Vielmehr spricht man von einem Abschied von herkömmlichen Druckertreibern, der auch von anderen, für den Sommer 2027 kolportiert wird, jedoch vermutlich so nicht kommen wird.
Epson arbeitet aktiv daran, seine Drucklösungen an die neue moderne Druckplattform von Microsoft anzupassen, die Internet Printing Protocol (IPP) und Print Support Apps (PSA) anstelle klassischer Druckertreiber verwendet. Der Abschied von den herkömmlichen Druckertreibern ist bei Microsoft jedoch als schrittweiser Übergang bis 2027 geplant und nicht an ein einzelnes Stichtagsdatum gebunden, daher wird es bis Ende Juni 2026 noch keine Epson PSA geben.Epson, auf Anfrage von Druckerchannel
Und in der Tat ist es so, dass sich Epson-Drucker auch zukünftig unter Windows unverändert nutzen lassen. Im Normalfall wird jedoch nicht mehr der Treiber automatisch installiert, den Epson (für die Übergangsphase) empfiehlt. Entscheidet man sich für den WPP-Modus, der Treiber von Drittanbietern rigoros blockiert, lässt sich diese auch manuell nicht mehr drüberinstallieren.
Ansonsten gilt, dass man für die Druckereinrichtung im Idealfall das Installationspaket vom Onlineportal "Epson Setup-Navi" nutzen sollte, welches über epson.sn erreichbar ist.
Langfristig ist vorgesehen, dass die Epson PSA die Rolle der herkömmlichen Epson Treiberoberfläche übernimmt. Es wird jedoch im Juli 2026 keinen abrupten Wechsel geben, und Kundinnen und Kunden werden während des gesamten Übergangszeitraums weiterhin vollständig unterstützte Druckoptionen haben.Epson, auf Anfrage von Druckerchannel
Bis diese PSA verfügbar ist, wird Epson seine bestehenden Treiber und Routinen einschließlich der aktuellen epson.sn Tools weiterhin empfehlen und unterstützen, sodass Kundinnen und Kunden während des Übergangs und im Einklang mit Microsofts Fahrplan vertraute und vollständig unterstützte Lösungen weiter nutzen können.Epson, auf Anfrage von Druckerchannel
Ein Versuch einer Erklärung für die fehlende Unterstützung einer PSA könnte an den Traditionen von Epson als Anbieter von Fotodruckern liegen. Denn für Geräte mit dem Fokus "Foto" ist der neue Standard nicht konzipiert und dafür auch eher ungeeignet.
Das liegt in erster Linie daran, dass Epson mit dem (zugegebenermaßen) recht betagten und tief ins System eingreifenden v3-Treibermodell mehr oder weniger vollen Zugriff auf die Druckaufbereitung und auf die Ansteuerung des Druckers hat.
Nachteile mit "Windows Ready Print"
Die Aufbereitung der Druckdaten durch einen leistungsstarken Computer ermöglicht eine äußerst präzise Rasterung (auch Halftoning genannt) und eine exakte Platzierung von Tintentropfen - einschließlich der Verwendung von Farbprofilen.
Durch die Vereinfachung beim "modernen Treiber" wird dem Drucker nur noch ein Rasterbild übertragen, welches der recht schwache Prozessor auf dem Gerät selbst umsetzen muss. An dieser Stelle ein angepasstes Farbmanagement mit Profilen zu implementieren, ist nahezu hoffnungslos.
Für Fotodrucker ist die Sache also eigentlich klar. Besonders hohe Ansprüche lassen sich mit dem modernen Treiber kaum umsetzen. Aber was ist mit Allround- und Bürodruckern, die Epson ebenfalls seit langer Zeit forciert und als Ersatz für Laserdrucker vermarktet? Auch für diese wird es für den Anfang keine komfortable Lösung geben, wenn man "Windows Ready Print" nutzen will oder sich gar für den "WPP"-Modus entscheidet oder diesen vom Administrator vorgesetzt bekommen hat.
Epson-Treiber vs. IPP-Klassentreiber ohne PSA
Aber ist das überhaupt ein großes Problem? Schließlich soll doch auch der IPP-Klassentreiber von Microsoft die Funktionen anbieten, die vom Drucker tatsächlich unterstützt werden.
Die Bildgalerien zeigen den gewohnten Epson-Treiber im Vergleich mit dem unveränderten (also ohne PSA aufgepeppten) Microsoft-Treiber.
Im Test mit dem recht funktionsstarken Ecotank ET-5850 zeigt sich, dass der herkömmliche Treiber klar im Vorteil ist. Die meisten dieser Vorteile betreffen nicht die Funktionen des Druckers selbst, sondern Komfort-Extras, wie das Wasserzeichen, den umfangreichen Broschürendruck, die Druckvorschau und eben auch Wartungsaufgaben, wie den Düsentest.
Jedoch sind auch die nativen PSA-Anwendungen von Brother und HP im Vergleich mit dem bisherigen "klassischen Treiber" in einigen Teilen unterlegen. Die derzeitige PSA von Canon geht funktional eigentlich kaum über den Klassentreiber hinaus, bietet aber immerhin eine bessere Oberfläche.
Überraschend ist jedoch, dass sich viele oder sogar die wesentlichen Funktionen allesamt im standardmäßigen Klassentreiber wiederfinden.
Unschön auf der anderen Seite ist jedoch, dass einige davon ziemlich versteckt sind. Beispielsweise gilt das für die Druckauflösung, die erst im erweiterten Modus (und dort an zwei Stellen) zu finden ist. Warum man die derzeitigen zwei Registerkarten nicht auf eine Übersicht gebracht hat, ist ebenfalls nicht ganz verständlich - hier fallen unnötige Klicks an.
Unter "Erweitert..." kann man sogar einen PIN-gesteuerten Druck starten, der dann erst nach Eingabe eben genau dieser Nummer (am Gerätepanel) gestartet wird. Leider hat sich Epson dazu vor einiger Zeit für eine verpflichtende 8-stellige PIN entschieden, während der Mopria-Standard genau vier Ziffern vorsieht - die Funktion ist also da, führt in der Umsetzung vom ET-5850 (und vermutlich anderen Epson-Druckern mit dieser Funktion) jedoch zu einem Druckabbruch.
Vollständig fehlt auch die praktische Möglichkeit, eigene Profile für wiederkehrende Druckaufgaben zu speichern. Aus Nutzersicht nervig ist zudem, dass in der Standardoberfläche nicht die korrekten Papierbezeichnungen hinterlegt sind, wie diese von Epson vermarktet werden. Stattdessen gibt es verallgemeinerte Bezeichnungen, wie beispielsweise "Fotopapier (glanz)" anstatt des "Premium Photo Paper".
Die wichtigsten Funktionen sind also durchaus vorhanden und verwendbar, wenngleich sie auch teilweise schwer zugänglich sind. Eine Gegenüberstellung der einzelnen Funktionen haben wir in der nachstehenden Tabelle dargestellt.
| IPP Klassentreiber ("Ready Print" oder WPP) vs. benutzerdefinierter Treiber | ||
|---|---|---|
| IPP-Klassentreiber | Epson-Treiber (v3) | |
| Wesentliche im IPP-Klassentreiber enthaltene Funktion | ||
| Papierzufuhr | unter "Papier/Qualität" (2. Register) | unter "Haupteinstellungen" |
| Papierart | unter "Papier/Qualität" (2. Register) (Spezialpapiere mit generischen Bezeichnungen) | unter "Haupteinstellungen" |
| Papiergröße | unter "Erweitert..." (Button) (keine benutzerdefinierten Formate) | unter "Haupteinstellungen" |
| Druckqualität | unter "Erweitert..." (Button) (in nur wenigen Stufen) | unter "Haupteinstellungen" |
| Farbmodus | unter "Papier/Qualität" (2. Register) (nur S/W oder Farbe) | unter "Haupteinstellungen" |
| Duplexdruck | unter "Hauptansicht (Layout)" | unter "Haupteinstellungen" |
| Ausrichtung | unter "Hauptansicht (Layout)" | unter "Haupteinstellungen" |
| Sortierreihenfolge | unter "Hauptansicht (Layout)" | unter "Haupteinstellungen" |
| Anzahl der Exemplare (Kopien) | unter "Erweitert..." (Button) | unter "Haupteinstellungen" |
| Weitere im IPP-Klassentreiber enthaltene Funktion | ||
| Druckqualität (erweitert) | unter "Erweitert..." (Button) ("hohe Qualität" als zusätzlicher Schalter) | unter "Haupteinstellungen" |
| Farbmodus (erweitert) | unter "Erweitert..." (Button) (Farbe, Graustufen, S/W oder automatisch) | unter "Haupteinstellungen" |
| Randloser Druck | unter "Erweitert..." (Button) (der Erweiterungsumfang lässt sich nicht anpassen) | unter "Haupteinstellungen" |
| PIN-geschützter Druck | unter "Erweitert..." (Button) (beim ET-5850 fehlerhaft umgesetzt) | unter "Weitere Optionen (2. Register)" (vertraulicher Druck) |
| Skalierung | unter "Erweitert..." (Button) (nur "anpassen" oder "auffüllen") | unter "Haupteinstellungen" (umfangreiche Einstellungen) |
| Im IPP-Klassentreiber nicht enthaltene Funktionen (Auswahl) | ||
| Profile | — | unter "Haupteinstellungen" |
| Druckvorschau | — | unter "Haupteinstellungen" |
| Druck spiegeln | — | unter "Weitere Optionen (2. Register)" |
| Farbregler | — | unter "Weitere Optionen (2. Register)" |
| Wasserzeichen | — | unter "Weitere Optionen (2. Register)" |
| Posterdruck | — | unter "Haupteinstellungen" |
| Wartungsfunktionen | ||
| Düsentest | — | unter "Utility" (3. Register) (mit Powerreinigung) |
| Reinigung | — | unter "Utility" (3. Register) |
| © Druckerchannel | ||
Fazit und Handlungsempfehlung
Auch ohne eigene Druckunterstützungsanwendung sind die meisten Epson-Drucker unter "Windows Ready Print" weitgehend vollständig nutzbar.
Einige der fehlenden Funktionen bieten auch andere Hersteller nicht mehr wie gewohnt an. Immerhin lassen sich das Papierfach, die Papierart und der doppelseitige Druck mit wenigen Klicks umsetzen. Umständlich ist dagegen das Hochsetzen der Druckqualität (oder Auflösung) und auch des Formats - wenn die Host-Anwendung das nicht ohnehin automatisch setzt.
Für den bestmöglichen Komfort empfiehlt sich weiterhin der angepasste Treiber von Epson. Dieser bietet nicht nur den vollen Funktionsumfang, sondern im Zweifel auch die bessere Druckqualität. Insbesondere was den Druck von Fotos angeht, bekommt man mit diesem die bestmögliche Rasterung und auf Wunsch auch ein vollständiges Farbmanagement.
Wirklich umständlich ist die Vorgehensweise über das "Epson Setup Navi" ohnehin nicht, weil darüber auch gleich der vollständige Scannertreiber (Epson Scan 2) und gegebenenfalls weitere Anwendungen und Hilfsprogramme installiert werden. Wichtig ist jedoch, dass man den Treiber stets auf den aktuellen Stand bringt, um bekannten Sicherheitsproblemen entgegenzutreten. Das gilt jedoch heute und morgen genauso wie bereits gestern.
Nutzer, die den WPP-Modus (von sich aus oder administrativ) aktiviert haben, oder einfach aus Sicherheitsgründen auf tief im System verankerte Treiber verzichten wollen, dürften für die allermeisten Büroaufgaben auch mit dem Klassentreiber zurechtkommen. Dennoch gilt, dass Epson dringend eine PSA nachliefern sollte. Besser "kurzfristig" als "langfristig". Vermutlich werden Kundenrückmeldungen den Druck auf Epson schnell von alleine erhöhen.









