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HP Evocycle Interview: "Runderneuerte Kartuschen" - zunächst für ausgewählte Partner

von Ronny Budzinske
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HP beginnt auf dem deutschen Markt mit der Auslieferung von Tonerkartuschen unter dem "Evocycle"-Markendach. Für den Anfang werden lediglich größere Kunden bei Ausschreibungen bedient - mit zwei Typen. Gut 45 Prozent (nach Gewicht) einer solchen Kartusche sind wiederverwendete Materialien, davon 21 Prozent aufbereitet.


Die Aufbereitung von gebrauchten Tonerkartuschen ist alles andere als ein neues Thema. Kein Wunder bei Preisen von Originalkartuschen, die locker im Bereich von 200 Euro oder auch weitaus höher sein können.

Genau das weckt schon seit langem die Begehrlichkeiten von Drittanbietern, die die Kartuschen einsammeln, reinigen, Teile instand setzen und mit eigenem Toner neu befüllen. Für den europäischen Markt haben sich diesbezüglich einige Unternehmen im Verband "ETIRA" zusammengeschlossen, die sich dafür einheitliche Standards gesetzt haben.

So gut die Qualität solcher Alternativen (im gegebenen Rahmen) auch sein kann, bleibt für einige professionelle Kunden der Nachteil, dass die Zertifizierung der Dokumentenechtheit (nach DONot) sowie der des "Blauen Engel" bei Nutzung von Drittanbietermaterialien, und damit bei einer Änderung des Drucksystems, nicht mehr gilt.

Recycling vor Aufbereitung

Aus Sicht der Originalhersteller (OEM) ist es ohnehin nicht im Interesse, dass dieser Markt aufblüht - so nimmt es doch dem "guten Geschäft" mit margenträchtigen Verbrauchsmaterialien etwas Wind aus den Segeln. Zum einen, um diesen Markt mit leeren Toner- und Tintenbehältern kleinzuhalten, aber auch um öffentlichkeitswirksam mit möglichst hohen Recyclingquoten werben zu können, bieten nahezu alle großen OEMs Rücknahmeprogramme für Verbrauchsmaterialien jeglicher Art an.

Beim Marktführer HP ist dies Planet Partners. Bereits seit 1991 werden Tonerkartuschen eingesammelt und auch in Teilen recycelt. Nach eigenen Angaben ist der Hersteller nun bereits bei der Milliardenmarke (allerdings zusammen mit Tintenpatronen) angelangt.

Bislang ist es jedoch bestenfalls so, dass die eingesammelten Kartuschen in ihre stofflichen Komponenten zerlegt und dann - vereinfacht gesagt - zu neuen Produkten zusammengepresst werden. Bei Teilen aus Kunststoff funktioniert das ganz gut, bei elektronischen Bestandteilen (z.B. Chips) oder einer komplexen Bildtrommel ist dies schon kostenintensiver und teilweise auch unmöglich.

Je nach Recyclingaufwand der Originalhersteller gehen einige Bestandteile oder auch ganze Kartuschen auf die Halde oder gleich in die Müllverbrennung - "thermische Verwertung" heißt das dann oft euphemistisch.

Ein anderer Ansatz wird bei der Aufbereitung verfolgt. Bei diesem Prozess werden möglichst viele Bestandteile einer aufgebrauchten Kartusche lediglich gereinigt und direkt wieder eingesetzt - das ist zwar arbeitsintensiv, spart jedoch in der Regel Energie.

Brother stark bei der Aufbereitung

Was dieses Thema bei Tonerkartuschen angeht, ist der japanische Bürodruckerhersteller Brother unter den OEMs bereits seit längerer Zeit führend und fast allein auf weiter Flur. Für den europäischen Markt werden in zwei Werken in England und der Slowakei Kartuschen eingesammelt und bereits seit 2004 zu großen Teilen auch aufbereitet.

Nach aktuellem Stand gilt dies für das nahezu komplette Sortiment - lediglich "einige wenige" sehr alte Tonerbehälter können nicht mehr aufbereitet werden. Über alle verschiedenen Typen gemittelt können derzeit rund 85 Prozent der Teile (nach Gewicht) einer leeren Kartusche direkt wiederverwendet werden. Zuvor müssen davon jedoch 14 Prozent aussortiert werden, da diese endgültig verschlissen oder defekt sind.

Alles, was bei Brother nicht mehr aufbereitet werden kann, wird stofflich verwertet - also recycelt. Dieser besonders hohen Quote kommt die Tatsache zugute, dass es bei Brother eine strikte Trennung von Tonerbehälter und Bildtrommel gibt. Das bedeutet im Umkehrschluss auch, dass die tatsächliche Aufbereitungsquote (wenn man die separate Trommel mit einberechnet) niedriger ausfällt. Ein solcher Prozess ist erst in Planung.

Aufbereitete Tonerkartuschen von Brother sind nicht speziell markiert und lassen sich im Handel nicht von neu produzierten unterscheiden. Der Vorteil ist, dass eine vorhandene Zertifizierung "Blauer Engel" oder die der Dokumentenechtheit im Rahmen der "DONot" weiterhin uneingeschränkt gilt.

HP Evocycle folgt

Bei anderen Herstellern mahlen die Mühlen beim Thema "Aufbereitung" noch etwas langsamer. HP hat sich mehr als 30 Jahren auf das Recycling, also die stoffliche Verwertung, konzentriert. Seit Ende 2021 hat sich jedoch auch der amerikanische Druckerhersteller aus der Deckung begeben und ein Programm zur Aufbereitung von Tonerkartuschen in Frankreich - zunächst nur für den französischen Markt pilotiert.

In einem Werk in der Bretagne werden seitdem Kartuschen für derzeit noch wenige Drucker aufbereitet und die Prozesse mittlerweile so weit optimiert, dass nun weitere Märkte folgen können. Neben Kunden aus Großbritannien können seit Anfang 2023 nun auch deutsche Kunden Original-Kartuschen beziehen, die durch HP in Teilen aufbereitet worden sind.

Eine Ausweitung für andere Serien inklusive Farbe ist vorgesehen.Kathrin Dinh, HP zu Evocycle

Die grundlegenden Kennzahlen lesen sich in der derzeitigen Phase noch nicht so beeindruckend wie bei Brother. Für den Anfang werden lediglich zwei Typen mit schwarzem Toner aufbereitet. Eine dadurch entstandene Evocycle-Kartusche (Eigenschreibweise "EvoCycle") enthält rund 21 Prozent eins zu eins wiederverwendeter Teile - gemessen am Gewicht. Dazu kommen 24 (Gewichts-) Prozent der Bestandteile, die aus recyceltem Kunststoff (aus dem HP-Recycling) bestehen.

Die derzeit (noch) eher niedrig anmutende Quote bei der Aufbereitung lässt sich jedoch weitgehend damit begründen, dass die HP-Tonerkartuschen mit einer Einweg-Bildtrommel verklebt sind. Dieses "bildgebendes Element" macht einen recht hohen Gewichtsanteil der gesamten Kartusche aus und wird generell komplett erneuert. Bei den Brother-Zahlen ist diese Komponente von Beginn an gar nicht erst eingerechnet.

Insgesamt bestehen somit rund 45 Prozent (nach Gewicht) einer Ecocycle-Kartusche aus wiederverwerteten Materialien. Der verbleibende Anteil von 55 Prozent besteht aus neu produzierten Teilen.

Zertifizierung bleibt bei aktuellen Druckern

Im Gegensatz zu von Drittanbietern aufbereiteten Kartuschen gelten bei Nutzung von "Evocycle" weiterhin die bereits vorhandenen Zertifikate zur Dokumentenechtheit nach "DONot". Es handelt sich ja auch um das identische Tonerpulver wie in einer "neuen" Kartusche.

Mehr oder weniger aus formalen Gründen gilt dies bei "Evocycle" jedoch nicht per se für den "Blauen Engel" - die noch immer aktuellen Drucker für 59XR-Kartuschen ("R" steht für Evocycle) wurden jedoch bereits nachträglich zertifiziert. Lediglich für die älteren Modelle mit 26XR-Kartuschen ist dies nicht mehr möglich, da diese bereits aus dem Programm genommen sind.

Laut HP erfüllen die Drucker auch beim Einsatz mit Evocycle-Kartuschen die Spezifikationen im Rahmen des "Blauen Engel" - jedoch ohne Zertifizierung.



Interview mit Kathrin Dinh

Wir haben uns mit Kathrin Din, selbst Nachhaltigkeitsbeauftragte bei HP in Deutschland, über die Einführung von "Evocycle" in Deutschland unterhalten. Das Gespräch behandelt das Konzept an sich, die Zielgruppe, die Unterschiede zum Mitbewerber Brother als auch ein Blick in zukünftige Entwicklungen.


Druckerchannel Bereits seit 1991 sammelt HP gebrauchte Tonerkartusche und Tintenpatronen über das „Planet Partners“-Programm ein und hat diese auch bislang schon recht aufwändig recycelt. Nun wird ein Programm eingeführt, in dem Kartuschen nicht nur in ihre Bestandteile zerlegt werden, sondern auch tatsächlich wiederverwendet werden sollen. Seit 2021 wird dies auf dem französischen Markt getestet und nun soll „Evocycle“ – so der Name - auch auf den deutschen Markt ausgeweitet werden. Können Sie ein wenig zur Zielgruppe sagen?

HP Wir bieten es im ersten Schritt vor allem öffentlichen und großen Auftraggebern an. Das hat damit zu tun, dass in den dortigen Ausschreibungen das Thema „Nachhaltigkeit“ eine besondere Bedeutung hat. Für uns geht es nicht nur darum, unsere eigene Produktion nachhaltiger zu gestalten, sondern auch darum, dass unsere Kunden ihre Nachhaltigkeitsziele erreichen. Wir haben vertrieblich mit ausgewählten Partnern und großen Endkunden begonnen, da das Produkt erklärungsbedürftig ist. Wir sind offen für weitere, interessierte Partner und werden auch die Kundenzielgruppe in den nächsten Monaten schrittweise erweitern.

Wie oft lässt sich eine Kartusche so aufbereiten?

HP Wir sammeln gebrauchte Tonerkartuschen bei HP bereits seit Beginn der 1990er Jahre im Rahmen unseres „Planet Partners“-Programms ein und recyceln sie. Schon jetzt besteht jede HP Laserkartusche zu unterschiedlichen Anteilen aus recyceltem Material. Neu ist nun, dass wir die Kartuschen demontieren, sortieren, prüfen und einzelne Komponenten nach der Reinigung wiederverwenden. Bisher haben wir vor allem stofflich recycelt. Einzige Ausnahme – die bildgebenden Komponenten. Sie werden komplett erneuert. So können künftig einige Komponenten der „Evocycle“-Kartuschen den Kreislauf mehrfach durchlaufen.

In Frankreich wird „Evocycle“ ja bereits seit Ende 2021 getestet. Gibt es bereits Zahlen darüber, welchen Anteil solche Kartuschen am Markt mittlerweile ausmachen?

HP Für den deutschen Markt läuft die Produktion gerade an. Der französische Markt wird mittlerweile aus unserer Sicht gut mit „Evocycle“-Kartuschen versorgt. Deshalb können wir das Programm nun auf weitere Märkte – wie beispielsweise Deutschland und Großbritannien – ausweiten. Marktanteile veröffentlichen wir nicht.

Gibt es das Evocycle“-Programm derzeit auch in anderen Regionen der Welt oder handelt es sich um eine rein europäische Geschichte? Wie sieht es mit dem HP-„Heimatmarkt“ USA aus?

HP Es handelt sich derzeit um ein rein europäisches Programm. Die Aufbereitung und Produktion findet in Frankreich statt – übrigens im gleichen Werk, in dem seit Jahren die Standardkartuschen entstehen. Dort werden nun gebrauchte Tonerkartuschen von europäischen Kunden aufbereitet. Ziel ist heute der europäische Markt.

Stand heute geht es bei der Aufbereitung um zwei Kartuschen. Zum einen ist das die 26X und dann die 59X. Das sind sehr ähnliche Kartuschen für unterschiedliche S/W-Laserjet-Geräte der 400er-Serie. Gibt es Planungen über eine baldige Ausweitung auf weitere Kartuschen – z.B. auch für Farbtoner?

HP Für die Auswahl der Kartuschen, die im Rahmen von „Evocycle“ runderneuert werden, ist zunächst einmal entscheidend, wie viele gebrauchte Kartuschen zur Verfügung stehen. Deshalb beginnen wir mit zwei sehr gängigen Kartuschen. Nur so können wir sicherstellen, dass der Rückfluss von gebrauchten Kartuschen auch für die Produktion von neuen „Evocycle“-Kartuschen ausreicht. Eine Ausweitung für andere Serien inklusive Farbe ist vorgesehen - für konkrete Ankündigungen ist es allerdings noch zu früh.

Eine „Evocycle“-Kartusche enthält nach Gewicht derzeit rund 21 Prozent wiederverwendete Teile und 24 Prozent recycelte Bestandteile.Kathrin Dinh, HP

Was passiert während des Recyclingprozesses und welche Teile können überhaupt wiederverwendet werden?

HP Die Aufbereitung in Frankreich läuft größtenteils vollautomatisiert. Das gilt auch weitestgehend für die Prüfung ob Teile wiederverwendet werden oder nicht. Das ist ein völlig anderer Prozess als beim stofflichen Recycling von Tintenpatronen in unserem europäischen Recyclingwerk in Thurnau in Deutschland. Dabei ist natürlich auch sichergestellt, dass kein Tonerstaub entweicht. Eine „Evocycle“-Kartusche enthält nach Gewicht derzeit rund 21 Prozent wiederverwendete Teile und 24 Prozent recycelte Bestandteile. Der Rest sind hauptsächlich „bildgebende“ Komponenten wie Bildtrommel, die Reinigungsklinge oder die Entwicklerklinge, die erneuert werden. Wiederverwendet wird dagegen beispielsweise ein Teil des Gehäuses, die Magnetwalze und der Tonerabfallbehälter. Das recycelte Material in HP „Evocycle“-Kartuschen besteht zu 100 Prozent aus recyceltem Kunststoff im geschlossenen Kreislauf. Es wird kein neuer Kunststoff hinzugefügt.

Da stellt sich schon die Frage: Was macht man zukünftig mit dem „Rest“? Eine „Evocycle“-Kartusche der Serie 26X oder 59X enthält nach Gewichtsanteilen etwas mehr als die Hälfte neue Teile.

HP Natürlich arbeiten wir daran, den Anteil der wiederverwendeten Komponenten und des recycelten Materials zu erhöhen. Bei der Qualität werden wir allerdings keine Kompromisse machen. Trotzdem wird sich der Anteil der Wiederverwendung und des Recyclings sicher noch erhöhen. Wir haben ein klares Nachhaltigkeitsziel bei HP formuliert: Wir wollen den Recyclinganteil in der gesamten Produktpalette – inklusive Drucker, Scanner, Computer Verbrauchsmaterial und Verpackung – bis 2030 auf 75 Prozent zu erhöhen. Aktuell liegen wir weltweit bereits bei rund 40 Prozent. Deshalb setzen wir auch bei der Kreislaufwirtschaft auf eine stetige Verbesserung unserer Prozesse und Produkte.

Teil 2 des Interviews

27.02.23 08:05 (letzte Änderung)
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