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11. Dezember 2012 Know-How | Drucken

Geplante Obsoleszenz: Programmierter Druckertod

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Immer wieder berichten TV-Sender über geplante Obsoleszenz, also der eingeplante Tod bei Druckern. Druckerchannel klärt zu diesem Thema auf.

Der TV-Sender Arte veröffentlichte Anfang 2011 einen umfangreichen Beitrag über geplante Obsoleszenz ("Kaufen für die Müllhalde"). Es folgten viele weitere TV-Beiträge von anderen Sendern. Viele berichteten darüber, dass Tintendrucker einen internen Zähler hätten, der den Drucker kurz nach der Garantiezeit ins Nirvana schicken soll.

Keiner der TV-Sender, auch nicht Arte, hat recherchiert, warum manche Tintendrucker nicht mehr weiterarbeiten. Die Beiträge hinterlassen den Eindruck, als würden die Hersteller einen Zähler einbauen, der den Drucker nach einer bestimmten Anzahl gedrucker Seiten oder nach Ende der Garantiezeit als defekt meldet - und das ist falsch. Keiner der TV-Sender hat sich gefragt, warum das nur bei Tintendruckern und nicht bei Laserdruckern passiert.

Dabei wäre die Ursache für den Druckstopp einfach erklärt: Die Düsen der Druckköpfe müssen von Zeit zu Zeit gereinigt werden, indem eine kleine Menge Tinte durchgespült wird. Diese verreinigte Tinte landet im Boden des Druckers, der mit einer großen Watteschicht ausgekleidet ist. Diese Schicht nennt man auch Resttintenschwamm, Diaper (Windel) oder Waste-Ink-Pad. Das Reservoir ist so groß ausgelegt, dass es "ein normales Druckerleben", also rund drei Jahre bei einfachen Billigdruckern, durchhalten soll.

Am Beispiel des Billigdruckers Epson Stylus D92 zeigt Druckerchannel, wo der Resttintenschwamm im Druckerboden steckt.

Die Geräte haben keinen Sensor im Resttintenschwamm, sondern einen "Tröpfchenzähler". Dadurch können die Drucker ermitteln, wann der Resttintenschwamm voll sein müsste. Ist ein bestimmter Wert erreicht, stoppt der Drucker mit einer Fehlermeldung - weiterdrucken ist nicht möglich.

Wie erwähnt, sollte bei "normalem Gebrauch" diese Meldung gar nicht erscheinen. Wer indes häufig Druckkopfreinigungen durchführen muss, bei dem kann die Warnung wesentlich früher auftreten.


Die Ursachen

Wer seine Patronen selber mit Tinte und Spritze wiederbefüllt, kann zunächst eine Menge Geld sparen. Wer mit dem Nachfüllen aber so lange wartet, bis Streifen auf dem Ausdruck zu sehen sind, der hat Luft ins Druckkopfsystem gelassen. Und die muss durch eine aufwändige Druckkopfreinigung wieder raus. Dabei pumpt der Drucker Tinte durch die Düsen in den Resttintenschwamm. Je häufiger er das macht, desto früher kann der Drucker seinen Dienst mit der Meldung "Waste-Ink-Pad full" einstellen.

Selbst wenn man regelmäßig Tinte nachfüllt, damit keine Luft ins System gelangt, können die Düsen durch winzige Gasbläschen verstopfen. Schuld ist oft besonders billige Tinte, wie man sie zum Beispiel bei Shopping-Sendern oder in Internet-Shops mit auffällig billigen Preisen findet. Diese Tinten sind meist nicht "entgast" - beim Entgasen wird der Tinte gebundenes Gas entzogen, das ansonsten wieder für Verstopfung im Druckkopf sorgen würde.


Heise meint...

Geplante Obsoleszenz ist eine unglaublich ärgerliche Erfindung der Industrie. Sei es die zu dünne Glühwendel in Glühbirnen, die mangelhafte Elektronik in Energiesparlampen oder der nicht austauschbare Akku in Smartphones. Doch der Resttintentank bei Tintendruckern hat nichts mit geplanter Obsoleszenz zu tun - dies wäre viel zu offensichtlich.

Ein vorzeitiger Druckertod lässt sich viel einfacher und auch weniger offensichtlich verwirklichen - zum Beispiel mit Papiereinzugsrollen, die sich schnell abnutzen oder mit billigen Kunststoffzahnrädern.

Austauschbarer Resttintenbehälter

Mittlerweile gibt es eine Handvoll Tintendrucker, die einen Resttintenbehälter besitzen, der sich mit einem Handgriff austauschen lässt. Das sind zum Beispiel

Vor dem Kauf eines Druckers oder Multifunktionsgerätes sollte man sich fragen: Wie viele Seiten werde ich pro Monat in etwa drucken. Wer mehrere hundert Seiten pro Monat druckt, sollte also keinen "Billigdrucker" kaufen, sondern ein Gerät, das dieser Seitenzahl gewachsen ist.

Allgemeine Tipps gegen geplante Obsoleszenz:

  • Achten Sie generell auf hochwertige Qualität
  • kaufen Sie nicht spontan - informieren Sie sich ausführlich, bevor Sie ein Produkt kaufen
  • kaufen Sie keine "Billigprodukte"
  • Gebrauchtgeräte sind häufig eine gute Alternative
  • konsumieren Sie weniger (durch Kauf von langlebigen Produkten)
  • kaufen Sie nur dann ein neues Produkt, wenn es tatsächlich nötig ist
  • lassen Sie sich nicht von der Mode lenken
  • Mode oder Werbung suggeriert Ihnen, dass Sie ein neues Produkt benötigen - das ist in der Regel nicht der Fall.
Das bedeutet "geplante Obsoleszenz"
Kaufen, wegwerfen, neu kaufen. Das ist das Ziel der Industrie. Um dies zu realisieren, kann man Produkte so bauen, dass sie nach einer geplanten Zeit defekt sind - eine Reparatur ist meist nicht möglich oder teurer als ein Neuprodukt. Bestes Beispiel für geplante Obsoleszenz ist die Glühbirne, deren Glühdraht so gestaltet ist, dass er nach einer bestimmten Brenndauer durchglüht.
© Druckerchannel (DC)
15.10.15 08:15 (letzte Änderung)

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