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Microsoft IPP Class Driver: Das Ende vom Windows-Druckertreiber?

von Ronny Budzinske

Microsoft hat angekündigt, dass ab 2026 keine angepassten Druckertreiber der Original-Hersteller mehr über Windows 10 und 11 automatisch installiert werden - zumindest wenn vom Drucker Mopria unterstützt wird. Stattdessen wird zukünftig ein allgemeiner und vereinfachter IPP-Klassentreiber verwendet. Die manuelle Installation von Treibern bleibt möglich. Bei macOS wird dies bereits seit Jahren mit Airprint ähnlich gehandhabt.

Es war wohl nur noch eine Frage der Zeit. Nachdem die mobilen Betriebssysteme für Smartphones und Tablets von Apple oder mit Android beim Thema Druckertreiber bereits seit Jahren nur noch auf Standardoberflächen (über die Schnittstellen Android, Mopria oder den Google Printservice) basieren und auch das Arbeitsplatz-Betriebssystem "macOS" seit der Version 10.13 (Mojave) aus 2018 auf Airprint als Standard für die native Druckfunktion setzt, hat sich bei Microsoft über Jahre hinweg wenig getan.

Zwar wird auch bereits in der seit Oktober 2018 veröffentlichten Windows-10-Version "1809" das "Mopria" unterstützt - das man bislang eher von der Druck- und auch Scan-Funktion für Android-Geräte her kennt - jedoch mehr oder weniger ohne tatsächliche Auswirkungen.

In der Praxis sieht es derzeit so aus, dass für einen erstmalig angesteckten Drucker unter Windows in der kuratierten Online-Bibliothek (Windows Update) zunächst nach einem vom Originalhersteller (z.B. Brother, Canon, Epson oder HP) hinterlegten Treiber gesucht und im Erfolgsfall auch automatisch installiert wird.

Erst wenn nichts gefunden wird (z.B. auch wenn der Computer gerade nicht mit dem Internet verbunden ist) greift Windows auf einen generischen Treiber zurück, der entweder für verschiedene Druckermodelle eines Herstellers mit gleicher Sprache (z.B. HP PCL3, Epson ESC/P2, Canon UFR II) gilt oder eben vollständig vom Hersteller unabhängig ist, sobald der Drucker für Mopria zertifiziert wurde. Im Normalfall wird der (vermeintlich) "bessere" Treiber in Folge auch nicht mehr (automatisch) nachinstalliert.

Mopria-Treiber vs. angepasster Treiber vom Hersteller

Unter Windows wird dann der "IPP Class Driver" von Microsoft installiert, der in der derzeitigen Gestaltung extrem spartanisch und lediglich mit den nötigsten Funktionen ausgestattet ist. Die Auswahlmöglichkeiten basieren weitgehend auf den vom Druckerhersteller im Gerät hinterlegten Spezifikationen.

Im Vergleich dazu stellt der Originaltreiber deutlich mehr Funktionen zur Verfügung. Dazu zählen nicht nur Möglichkeiten zur Skalierung, des Layouts und der Druckanzahl, sondern auch spezielle Fähigkeiten, wie die Druckintensität, aber auch eine Möglichkeit zur Speicherung von Einstellungen zu einem Profil, auf welches man später schneller zugreifen kann.

Generell macht auch die Unterteilung der Funktionen einen schlüssigeren Eindruck. Während man beim IPP-Treiber das Format erst in den Detaileinstellungen vornehmen kann, geht das (wie auch die Papiersorte) bereits auf dem Startbildschirm.

Ab 2026 wird vorrangig der Mopria-Treiber installiert

Kommen wir aber zur Neuigkeit, die Microsoft Mitte September 2023 in einem Informationsschreiben veröffentlicht hat. Aufgrund der mittlerweile recht starken Verbreitung von Mopria-kompatiblen Druckern möchte man bei der automatischen Installation von Druckertreibern über die "Windows Update"-Funktion einen Paradigmenwechsel einläuten und zukünftig vermehrt auf diesen Standard setzen.

Zum einen soll es ab 2025 für Druckerhersteller nicht mehr möglich sein, eigene Treiber für neue Drucker in die Microsoft-Datenbank einzupflegen. Dies hat dann die Auswirkung, dass ab diesem Zeitpunkt automatisch nur noch der Mopria/IPP-Treiber installiert wird, sobald dann dieser Standard unterstützt wird. Vereinzelt kommen noch immer Druckermodelle auf den Markt, die weder Airprint noch Mopria unterstützten. Ein Beispiel ist die Serie um den recht einfachen S/W-Laser Kyocera MA2001w. Für wenige exotische Druckermodelle gibt es dagegen schon jetzt keine Unterschiede. So bietet Canon für seinen kompakten Fotodrucker Selphy CP1500 keinen eigenen Windows-Treiber und setzt bei der Nutzung mit diesem Betriebssystem vollständig auf den Mopria-Standardtreiber.

Bereits vorhandene Druckertreiber können über die Microsoft-Treiberbibliothek jedoch noch bis Ende 2026 aktualisiert werden. Diese Möglichkeit soll dann ab 2027 nur noch auf sicherheitsrelevante Aktualisierungen beschränkt werden.

Jedoch gilt für alle ab 2026 neu installierten Drucker, dass der Mopria-Treiber Vorrang hat. Selbst wenn ein funktional besser ausgestatteter Treiber des Originalherstellers zur Verfügung steht, wird zunächst der generische Klassentreiber installiert. Ältere Drucker ohne Mopria-Unterstützung werden jedoch auch weiterhin mit dem "Originaltreiber" versorgt.


Erweiterter Funktionsumfang über Druck-Apps möglich.

Auch wenn man davon ausgehen kann, dass der bisher mit Windows gelieferte "IPP Class Driver" zukünftig mit weiteren Funktionen und mehr Komfort ausgestattet wird, wird es immer spezielle Funktionen geben, die man mit dem Standard kaum abbilden können wird.

Genau für diese Zwecke bietet Microsoft für Windows 11 (ab der Version 22H2) spezielle Erweiterungen (Druckunterstützungsanwendungen) an, die den Treiber-Funktionsumfang um solche Funktionen ergänzen sollen. Diese werden vom Originalhersteller programmiert und sollen über den Microsoft-Store als UWP-App automatisch mitinstalliert werden.

Dies gilt übrigens für den "modernen Druckdialog" (siehe Abbildung), den einige Windows-Systemanwendungen, wie die Fotoanzeige, schon jetzt verwenden und der funktional der kommenden Mopria-Umsetzung entspricht, als auch für den "klassischen Druckdialog", wie er in den beiden Abbildungen oben gezeigt wird.

Benutzer von Windows 10 gehen bei der Erweiterung nach aktuellem Stand jedoch leer aus. Bei Windows 7, 8 und 8.1 gibt es mangels Supportende ohnehin keine größeren Änderungen mehr.

Alternativtreiber lassen sich weiterhin (manuell) installieren

Wer nun aufgrund der angekündigten Neuerungen total erschrocken ist, dem sei gesagt, dass Microsoft nach aktueller Planung auch weiterhin "ganz normale" Treiber der Hersteller unterstützen wird. Sowohl Brother, Canon, Epson, HP oder Kyocera steht es frei auch weiterhin herkömmliche Treiber zu programmieren, die speziell auf die Fähigkeiten des Druckers und die Bedürfnisse der Zielgruppe angepasst sind.

Das gilt so auch für aktuelle macOS-Systeme für Apple. Unter den großen Anbietern hat sich bislang lediglich Canon dazu entschieden, für die Mehrheit der Drucker ausschließlich auf Airprint zu setzen und sich keine weiteren Mühen zu machen. Im Segment der Tintendrucker werden lediglich hochwertige Fotogeräte noch mit eigenen Treibern versorgt.

Aufgrund einer immer stärker sinkenden Nachfrage nach Druckern ist es aber wohl absehbar, dass sich Druckerhersteller - besonders im Einstiegssegment - wohl nicht mehr die Mühe machen werden, eigene Treiber zu entwickeln und auch aktuell zu halten.

Was ist mit der Scanfunktion und USB-Druckern?

Auch wenn Mopria- (wie auch Airprint-) kompatible Geräte zunächst nur unter den Netzwerkgeräten zu finden waren, lassen sich die Standards auch über den USB-Anschluss via "IPP-über-USB" nutzen, sobald dies vom Drucker selbst unterstützt wird.

Problemlos ist (wie auch schon derzeit) die Scanfunktion. Multifunktionsgeräte oder reine Scanner mit dem Microsoft-eigenen WSD-Standard können mit Bordmitteln zum Digitalisieren von Originalen direkt verwendet werden. Gleiches gilt auch für Drucker mit dem "eSCL"-Protokoll, welches von allen neueren Geräten in der Regel unterstützt wird.

Fahrplan für Druckertreiber für Windows 10 und 11
neue
OEM-Treiber
(manuelle Installation)
neue
OEM-Treiber
(über Windows Update)
Aktualisierung für OEM-Treiber
(über Windows Update)
Nutzung von
OEM-Treibern
(über Windows Update)
Priorität bei der Treiberinstallation
(über Windows Update)
bis 2024möglichmöglichmöglichmöglichOEM-Treiber,
IPP-Class (Mopria)
ab 2025möglichnicht mehr möglichmöglichmöglichOEM-Treiber,
IPP-Class (Mopria)
ab 2026möglichnicht mehr möglichmöglichmöglichIPP-Class (Mopria),
OEM-Treiber
ab 2027möglichnicht mehr möglichnur wenn sicherheitsrelevantmöglichIPP-Class (Mopria),
OEM-Treiber
Copyright Druckerchannel.de
21.09.23 10:09 (letzte Änderung)

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