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CeBIT 2011: Drucker mit Memjet-Technologie: Medion bringt Memjet-Drucker nach Europa (Update)

Ab Spätsommer 2011 sollen 60 ppm schnelle Tintendrucker von Medion auf dem Markt kommen. Der Clou: Der Druckkopf ist so breit wie eine A4-Seite und braucht sich nicht mehr hin und her zu bewegen.


Seit der Vorstellungen von Kooperationen auf der Elektronik-Leitmesse CES Anfang des Jahres in Las Vegas scheint die immer wieder verschobene Druckertechnologie Memjet, vom in Sydney beheimateten Entwickler Silverbrook Research, endgültig den Durchbruch erreicht zu haben. Neben dem chinesischen Partner Lenovo soll es nun auch einen Partner für Europa geben.

Technologie

Die Memjet-Druckkopfe sollen bis zu 60 Seiten pro Minute in hoher Qualität ausgeben können. Herkömmliche Tintendrucker erreichen im qualitativ eher bescheidenen Normalmodus nicht mehr als 20 ppm.

Das Geheimnis liegt im Druckkopf: Während aktuelle Tintendrucker je Farbe lediglich ein bis vier Düsenreihen aufweisen, die dann über eine schnelle horizontale Bewegung Tinte aufs Papier schleudern, ist ein Memjet-Druckkopf mit einer durchgehenden Düsenreihe im A4-Format ausgestattet. Je Farbkanal stehen dabei Düsen im Abstand von 1/1.600 Zoll zur Verfügung. Mit dieser fixen Auflösung von 1.600 dpi muss der Drucker das Papier lediglich in vertikaler Richtung am Papier vorbeiführen, was entsprechend hohe Zeitersparnisse mit sich bringt.

Bereits bei der Präsentation 2007 kündigten die Australier unter Leitung des Entwicklers Kia Silverbrook erste Drucker für 2008 an. Dabei war von Anfang an klar, dass Memjet nur die Technologie zur Verfügung stellt und diese an Handelspartner für den Vertrieb zur Verfügung stellen wird.


Erstes Modell für Europa von Medion

Wie der Online-Nachrichtenticker "heise online" meldet, will Medion das erste Modell exklusiv in Europa auf dem Markt bringen. Das Unternehmen aus Essen ist vor allem als Lieferant für Aldi bekannt geworden.

Zudem berichtet "heise online" dass auf dem Cebit-Stand des Distributors Tech Data in Halle 16 auch bereits ein erstes funktionsfähiges Modell, mit dem vorläufigen Namen "E89400", steht. Dieses soll im Spätsommer die Serienreife erreichen und für rund 600 Euro erhältlich sein.

Unser Kollege Armin Weiler vom Fachhandelsmagazin ChannelPartner stellte uns bereits Bilder vom ersten Vorserienmodell zur Verfügung.

Der Drucker entspricht vom Äußeren her dem schon vor Jahren bekannten Referenzdesign von Memjet und soll mit seinem hohen Drucktempo von 60 ppm vor allem in Büroumgebungen Platz finden. Je Farbe stehen 50 Milliliter große Tintenkartuschen für 3.500 Seiten zur Verfügung. Für eine noch höhere Textreichweite sind zwei Schwarzpatronen parallel installiert und sollen somit eine Ausdauer von 7.000 Seiten erzielen. Nach welchem Standard diese Reichweiten ermittelt wurden, verschweigt der Hersteller auf seinem Prospekt. Für Angaben nach ISO/IEC 24711 wäre zumindest die Textreichweite für 100 ml sehr hoch.

Vom Hersteller werden Druckkosten von 0,8 Cent je S/W-Textseite und 2,2 Cent je Farbseite avisiert. Das entspräche Patronenpreisen von rund 56 Euro für das Doppelpack Schwarz und rund 26 Euro je Farbkartusche. Ohne nachprüfbare Angaben zur Reichweitenermittlung sind diese Kosten jedoch mit Vorsicht zu genießen.

Weitergehende Details stehen noch nicht zur Verfügung. Auf der Hersteller-Webseite gibt Memjet an, dass spezielle Dye-Tinten entwickelt worden sind, die unmittelbar nach dem Druck trocken sein sollen.

Die Tintenkartuschen sollen sich laut Hersteller mehrfach wiederbefüllen lassen, was jedoch nur der Fachhandel durchführen kann. Es ist davon auszugehen, dass die Patronen per Smart-Chip geschützt sind.

Memjet hat in der Vergangenheit stets damit geworben, dass sowohl der Drucker trotz des hohen Tempos nicht teurer als vergleichbare Geräte der Konkurrenz werden. Auch Verbrauchsmaterialien sollen ungeachtet der hohen Reichweite preiswert zu kaufen sein.


Druckkopf im Detail

Der entwickelte Druckkopf ist 8,77 Zoll breit (rund 22,3 Zentimeter) und besteht aus fünf Farbkanälen (2 x Schwarz, Cyan, Magenta, Gelb) und insgesamt 70.400 Düsen. Der Düsenabstand bei jedem Kanal beträgt 1/800 Zoll, der durch eine zusätzliche, leicht versetzte, Reihe auf 1/1.600 Zoll verdoppelt wird.

Der Drucker soll zwei Qualitätsmodi bieten. Im Standardmodus gibt das Gerät in Druckrichtung (vertikal) Tintentropfen im Abstand von 1/800 Zoll aus, wobei es ein Tempo von 60 Seiten je Minute erreicht. Insbesondere für den Druck von Fotos verringert das Gerät den Papiervorschub, um ein vertikales Raster von 1.600 dpi zu bieten - dabei erreicht der Drucker ein Tempo von 30 ppm. Die horizontale (native) Auflösung bleibt ungeachtet davon bei 1.600 dpi. Die Tropfengröße gibt der Hersteller mit 1-2 Pikoliter an.


Die gesamte Druckzeile besteht stets aus circa zwei Zentimeter breiten IC-Chips, die dicht aneinander montiert sind. Beim vorgestellten A4-Modell besteht diese aus elf solcher Chips.

Um den leichten Versatz zwischen zwei Chips auszugleichen, hat man sich etwas einfallen lassen: Durch eine geschickte Anordnung an den Übergängen sind einige Düsenreihen in einem Dreiecks-Muster versetzt angeordnet. Diese Düsenbereiche spricht der Drucker leicht zeitversetzt an, um einen "synchronen" Druck ohne Versatz sicherzustellen.


HP Edgeline: ähnliches Konzept

Eine vergleichbare Technik stellt HP 2007 unter der Bezeichnung "Edgeline" vor. Es kamen sogar Drucker auf den Markt, die mittlerweile jedoch allesamt eingestellt sind. Aufgrund des hohen technischen Aufwandes bot HP nur Geräte für den professionellen Einsatz an. Dazu gehörte ein hochpreisiges Multifunktionssystem, das äußerlich nicht von einem Farblaser zu unterscheiden war. Auch im Bereich von Fotokiosk-Lösungen hat HP einen Markt für diese Technologie gesehen und entsprechende Modelle angeboten.

Im Gegensatz zum Memjet-Druckkopf scheint HP, zumindest bei der Düsenanordnung, vorhandene Druckköpfe versetzt auf einen Träger angeordnet zu haben. Die (native) Druckauflösung in horizontaler Ausrichtung entspricht beim Büromodell 600 dpi bei vier Druckfarben. Beim Fotomodell kamen sechs wasserfeste Tinten zum Einsatz.

Mittlerweile sind Drucker mit Edgeline-Technik vom Markt verschwunden. Nach Angaben von HP wurde die Weiterentwicklung der Technologie vorerst eingestellt.

06.03.11 10:12 (letzte Änderung)

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