HP Smart Tank Plus 555, 570 und 655

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HP, der größte Druckerhersteller der Welt, stellt hierzulande seine ersten Tintentankdrucker vor. Damit macht HP nicht nur Canon und Epson Konkurrenz, sondern auch dem eigenen Tintenlieferdienst "Instant Ink".

Erschienen am 12. August 2019 bei Druckerchannel.de, 1 Seite(n)

https://www.druckerchannel.de/artikel.php?ID=4123


Tintentankdrucker von HP nun auch in Westeuropa erhältlich

Während das Thema Tintentankdrucker hierzulande vor allem von Epson und Canon abgearbeitet wurde, sieht es in Osteuropa oder Südostasien anders aus. Dort sind auch Brother mit Inkbenefit Plus und HP mit der GT-Serie vertreten. Im Sommer haben wir ausführlich berichtet, dass HP dort eine Generation auf den Markt bringt und zeitgleich den Markennamen "Smart Tank" einführt. Auch dann galt noch die Aussage, dass in Westeuropa der Tintenlieferdienst "Instant Ink" die Antwort für günstiges Drucken ist.

Dies wird sich nun ändern. Ab September sollen zwei Multifunktionsmodelle mit Tintentanks in den Handel kommen. Mitte Oktober 2019 folgt ein weiteres.

Der Smart Tank Plus 655

Den Anfang macht der Smart Tank Plus 655, der für rund 350 Euro erhältlich sein wird. Das Fax-Multifunktionsmodell erinnert mit seinem recht kantigen Design an den Officejet Pro 6830 - funktional haben die beiden jedoch weniger miteinander gemein.

Während Epson bei seiner aktuellen Ecotank-Generation auf deutlich sichtbare Tanks an der rechten Gehäuseseite setzt, geht HP den Weg von Canon (Pixma G) oder auch Brother (derzeit nicht in Westeuropa). Unter der Haube findet man links die drei Farbtanks (je 70 ml) und auf der rechten Seiten einen größeren Tank für Pigmentschwarz (135 ml), die durch besonders günstige Originaltinte aus Flaschen befüllt werden können.

Tintenstand mit Leer-Sensor

Optische Sichtfenster zur Front zeigen den aktuellen Füllstand. Nach jedem Befüllvorgang wird der tatsächliche Stand geschätzt und auf dem Display oder im Treiber dargestellt - dies bietet so auch die Systeme von Canon oder Epson.

Eine Besonderheit ist, dass der Smart Tank einen fast leeren Tank per Sensorik erkennt und den Druck stoppen lässt. Bei der aktuellen Umsetzung der Konkurrenzmodelle wird auch ohne Tinte weitergedruckt - das kann den Druckkopf beschädigen oder (sonst) unnötige Reinigungsvorgänge mit sich ziehen.

Druckwerk

Der Drucker selbst arbeitet mit einem ISO-Tempo von 11 ipm in S/W und 5 ipm in Farbe - das ist zwar nicht besonders schnell, wird von der Konkurrenz in der Preisklasse jedoch nicht wesentlich überboten.

Die drei Farben bestehen aus Dye-Tinte und sind somit auch für den Fotodruck auf Glanzpapier geeignet. Die Schwarztinte ist pigmentiert und kommt lediglich auf Normalpapier oder allenfalls matten Medien zum Einsatz. Die Rezeptur soll mit den Patronen der Serie 304 (z.B. vom Deskjet 3720 identisch sein. Es handelt sich demnach wahrscheinlich nicht um das wischfeste Schwarz aus den Envy-Photo-Druckern der Serie 303, das auch auf Glanzpapier Verwendung finden kann.


Papierzuführung

Die Einfachheit des Druckers zeigt sich vor allem bei der Papierzuführung. Es gibt weder eine vor Staub schützende Papierkassette, ein Fotofach oder gar einen automatisch doppelseitigen Duplex-Druck. Normalpapier, Fotopapier oder auch Umschläge müssen alle in das hintere Papierfach - dieses fasst bis zu 100 Blatt. Das Ausgabefach ist dabei sogar schon nach 30 Blatt voll. Der Drucker unterstützt den randlosen Druck bis zum Format A4.

Epson zeigt mit dem deutlich teureren Ecotank ET-4750, wie man es besser macht. Der Canon Pixma G6050 hat neben der Papierkassette sogar eine zweite Zufuhr in offener Bauweise, kommt jedoch ohne Fax und ADF aus. Duplex-Druck gehört bei beiden zum Standard.

Scanner und ADF

Der Scanner-Sensor arbeitet mit einem CIS-Modul (keine Tiefenschärfe) und einer optischen Auflösung von 1.200 dpi. Neben dem Flachbett ist eine Originalzufuhr (ADF) für bis zu 35 Blatt in Simplex-Ausführung verbaut. Derzeit bietet jedoch ohnehin lediglich der extrem teure A3-Tankdrucker Epson Ecotank ET-16500 einen Duplex-ADF.

Anschlüsse und Bedienpanel

Mit der Außenwelt nimmt der Smart Tank Plus Kontakt über USB oder Wlan auf. Letzeres neben dem 2,4-GHz-Netz sogar im derzeit noch weniger überlasteten 5-GHz-Band. Eine Schnellverbindung ohne Netzwerkintegration (Wifi-Direkt) kann problemlos über den Standard Bluetooth-LE (auch Bluetooth Smart) aufgebaut werden.

Einen USB-Host-Anschluss oder einen Speicherkarten-Leser gibt es am Drucker selbst nicht. Letzterer macht am verbauten Monochrom-Touchscreen jedoch ohnehin wenig Sinn. Farbfotos können nicht dargestellt werden. Dafür bietet der hintergrundbeleuchtete 3,5-Zoll-Bildschirm einen guten Kontrast bei der Konfiguration und Bedienung.

e-Print, App und Smart-Task

Mobil kann dem Drucker eine E-Mail-Adresse zugeordnet werden (HP e-Print), auf die das Gerät lauscht und Eingänge bei der Integration ins Netzwerk ausdruckt. Zudem werden die gängigen Standards von Airprint (Applex) bis Googles Cloud-Print und Mopria unterstützt. Dazu gibt es ein Android Print-Plug-In (Treiber) sowie die HP-Smart-App für iOS und Android-Geräte.

Die HP Smart App bietet zudem die Möglichkeit, häufige Aufgaben als "Smart Tasks" abzuspeichern. Diese wurden bereits bei den neuen Officejet-Geräten eingeführt und lassen beispielsweise auch das Erstellen von durchsuchbaren PDF-Dokumenten via OCR (optischer Zeichenerkennung) zu.

Der Smart Tank Plus 570

Für 300 Euro stellt HP mit dem Smart Tank Plus 570 dem 655er ein günstigeres Schwestermodell zur Seite.

Dieses Gerät erscheint erst im Oktober 2019 und bietet mit Ausnahme der Fax-Funktion alle Merkmale des Top-Modells. Dazu gehört auch der 35-Blatt-Simpex-ADF.

Der Smart Tank Plus 555

Für nochmals 50 Euro weniger bietet HP den Smart Tank Plus 555 für rund 250 Euro an. Der grundlegende Unterschied ist der fehlende Originaleinzug samt Fax-Funktion.

Die Leistungsdaten sowie die Stellfläche bleiben gegenüber dem 655 identisch. Weitere Abstriche muss der Benutzer lediglich beim Bedienpanel machen. Dieses kommt deutlich schlanker daher und setzt auf ein nicht beleuchtetes Textdisplay mit einer Zeile. Hierbei werden nicht viel mehr Informationen als die gewählte Kopienanzahl und der Netzwerkstatus dargestellt. Für beide Funktionen gibt es Tasten.

HP Smart Tank (2019)
Smart Tank Plus
655
Smart Tank Plus
570
Smart Tank Plus
555
Preis (inkl. MwSt und UHG)350 Euro300 Euro250 Euro
Verkaufsstart
in D/AT/CH
September 2019Mitte Oktober 2019September 2019
FunktionenDrucken, Scannen, Kopieren, FaxenDrucken, Scannen, Kopieren
Drucktempo
(S/W und Farbe)
11,0 ipm / 5,0 ipm
Papierzufuhr100 Blatt hintere Zufuhr (offen)
Papierausgabe für 30 Blatt
Duplexdruck /
Randlosdruck
nein / ja (bis A4)
Scanner1.200 dpi CIS
Flachbett mit 35-Blatt-Simplex-ADF
1.200 dpi CIS
nur Flachbett
AnschlüsseUSB, Wlan (2,4 und 5 GHz), Wifi-Direkt mit Bluetooth LE
Display2,2 Zoll Monochrom-
Touchscreen
Textzeile
Garantie12 Monate oder 30.000 Seiten
(36 Monate nach spezieller Registierung)
Das bietet die KonkurrenzCanon Pixma G4511 (ab 220 €),
Epson Ecotank ET-4700 (ab 290 €),
Epson Ecotank ET-4750 (ab 350 €)
Epson Ecotank ET-3750 (ab 330 €)Canon Pixma G3510 (ab 210 €),
Canon Pixma G6050 (ab 260 €),
Epson Ecotank ET-2700 (ab 230 €)
Verbrauchsmaterial
SchwarztinteSerie 32XL Pigmentiert (14 Euro)
135ml, 6.000 Seiten (2 Flaschen für 12.000 Seiten im Lieferumfang)
Farbtinte
Cyan, Magenta, Schwarz
Serie 31 Dyetinte (je 12 Euro)
je 70ml, 8.000 Seiten
Resttintenbehälternicht vom Benutzer wechselbar
Alle Datentechnische Daten
© Druckerchannel (DC)

Verbrauchsmaterial, Befüllung und Folgekosten

Die neuen Smart-Tank-Drucker setzen auf neue Tintenflaschen der Serie 31 und 32XL (Schwarz). Wie bereits erwähnt sind die Tinten selbst identisch mit denen aus den Kartuschen der Serie 304.

Bei der Befüllung der externen Tanks müssen die Flaschen lediglich auf die Einfüllstopfen gesetzt werden. Die Tinte fließt erst dann von alleine ein und hört bei vollständiger Befüllung "automatisch" auf. Das gleiche System kommt auch bei den neuen Canons sowie bei Epson zum Einsatz. Im Gegensatz dazu sind die Flaschen jedoch nicht kodiert und "erlauben" das fälschliche Einfüllen von Cyan in den Gelb-Tank - hier muss man vorsichtig sein.

Druckköpfe

Die Druckköpfe werden über ein Schlauchsystem befüllt und mit Tinte versorgt. Die Erstbefüllung soll besonders schnell vonstatten gehen. Wie auch beim System von Canon setzt man dabei auf Druckköpfe, die äußerlich mit den sonstigen Einweg-Systemen identisch sind. Wie lange die thermischen Düsen halten, gibt HP nicht an. Grundsätzlich ist jedoch ein Austausch möglich - ein Set von beiden Köpfen wird für unter 50 Euro angeboten.

Füllmenge

Je 70-ml-Farbe wird eine Reichweite von 8.000 Seiten mit dem ISO-Farbdokument angegeben - eine kostet dabei rund 12 Euro. Die Schwarze Tinte reicht für "nur" 6.000 Seiten, kostet 14 Euro, und ist hierzulande ausschließlich in der 135-ml "XL"-Flasche erhältlich. Zum Vergleich: die schwarze 304XL kostet mit 28 Euro exakt das Doppelte und enthält nur 1/25 der Füllmenge. Für andere Märkte wird zudem eine 90-ml-Standardflasche für 4.000 Seiten angeboten. Zum Lieferumfang gehört jeweils eine reguläre Flasche je Farbe sowie zwei Flaschen mit Pigmentschwarz für bis zu 12.000 Seiten Reichweite.

Wie viel Tinte für die Erstinitialisierung benötigt wird und somit nicht nutzbar ist, gibt HP nicht an. Bei Epson fällt Tinte für jeweils rund 1.000 Seiten weg.

Kein wechselbarer Resttintenbehälter

Überschüssige Tinte, die beim Reinigen oder ggf. auch beim Randlosdruck anfällt, wird in Schwämmen im Geräteinneren gesammelt. Dieser soll für ein gängiges Druckaufkommen ausreichend dimensioniert sein. Die Garantie deckt hier maximal 30.000 Seiten in zwölf Monaten ab. Von den konkurrierenden Modellen bietet lediglich Epson ab dem Ecotank ET-3700 einen wechselbaren Resttintenbehälter an.

Folgekosten im Vergleich

Auch wenn die Farbflaschen geringfügig teurer sind als bei der Konkurrenz, so liegen die Folgekosten auf einem sehr niedrigen Niveau. Normale Drucksysteme mit Tintenpatronen können bei weitem nicht mithalten. Dies gilt auch für die Systeme Inkbenefit oder All-In-Box von Brother mit großen und günstigen Kartuschen.

Gleiches gilt für HPs "Instant Ink". Beim kleinen Paket mit 50 Seiten/Monat für rund 3 Euro liegt man bei optimaler Auslastung mindestens bei 6 Cent je Seite. Das Business-Paket mit monatlich 700 Seiten (20 Euro) erreicht im Idealfall Folgekosten von 2,9 Cent. Je nach Umgebung kann das allenfalls Geld sparen, wenn man ausschließlich vollflächige Fotos druckt.

Druckkostenanalyse 09/2019*1
Seitenpreis mit
'ISO-Farbdokument'*2 (30.000 Seiten)
Seitenpreis mit
'Schwarzanteil aus ISO-Farbdokument'*3 (30.000 Seiten)
   
Canon Pixma G6050
 
 
0,4 ct
 
 
0,1 ct
Epson Ecotank ET-4750
 
 
0,4 ct
 
 
0,1 ct
HP Smart Tank Plus 555 und 655
 
 
0,5 ct
 
 
0,1 ct
Epson Ecotank ET-2750
 
 
0,5 ct
 
 
0,1 ct
Epson Ecotank ET-2710, ET-2720 und ET-4700
 
 
0,5 ct
 
 
0,2 ct
Brother DCP-J1100DW und MFC-J1300DW (All-In-Box)
 
 
2,7 ct
 
 
0,7 ct
Brother DCP-J785DW und MFC-J985DW (Inkbenefit)
 
 
4,7 ct
 
 
1,0 ct
HP Deskjet 3700-Serie und HP Envy 5030-Serie (Tintenpatronen, Serie 304)
 
18,9 ct
 
9,3 ct
© Druckerchannel (DC)

Der Plus 570 wird am Mitte Oktober im Handel erwartet. Die anderen beiden Modelle werden bereits ab Anfang September verfügbar sein. HP gewährt eine einjährige Garantie, die auf 30.000 gedruckter Seiten beschränkt ist. Es wird zudem eine kostenlose Erweiterung nach Registrierung auf drei Jahre (unter Beibehaltung der Seiten-Beschränkung) geben. Auf der Portalseite sind die westeuropäischen Länder jedoch noch nicht aufgeführt.

Aktualisiert am 12.8.2019, 13:00 Uhr

Mittlerweile wurde für Oktober 2019 auch der Smart Tank Plus 570 angekündigt. Zudem gilt die 3-Jahres-Garantie als bestätigt. Der Artikel wurde entsprechend angepasst.

*1
Diese Tabelle wird automatisch aktualisiert.

Preise

Alle Preise sind Preisempfehlungen der Hersteller (UVP).

Kosten & Starterreichweite

In die Druckkosten kalkulieren wir anteilig verbrauchte Materialien auch nur anteilig hinein. Weiterhin berücksichtigt Druckerchannel die Starterreichweiten - diese werden vom Druckvolumen abgezogen und reduzieren somit die durchschnittlichen Seitenkosten.

*2
ISO-Farbdokument (ISO/IEC 24712): A4-Farbdokument (fünfseitig) auf Normalpapier in Standardqualität.
*3
Schwarzanteil aus ISO-Farbdokument (ISO/IEC 24712 (nur SW)): Mit diesem fünfseitigen Dokument sind Tintendrucker und Farblaser getestet.

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