HP-Verbrauchsmaterialien: Maßnahmen und Erfolge gegen Drittanbieter von Tinten- und Tonerkartuschen
Als weltweit größter und wichtigster Druckerhersteller kann HP eigentlich weiterhin zufrieden sein. Ja, die Umsätze und auch die Marktanteile bei Druckern sinken stetig. Das liegt aber in erster Linie an einem durch Krisen geschwächten Markt mit zeitgleich anhaltender Digitalisierung, die das Drucken in Teilen überflüssig macht. Was jedoch weiterhin munter sprudelt, sind die Gewinne - und das mit rekordverdächtigen Margen.
Allein im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres (Februar bis April 2026) hat "HP Inc." (der offizielle Name) mit Druckern und Computern zusammen umgerechnet über 940 Millionen Euro (rund 1,075 Mrd. USD) als Gewinn verbucht - nach Sonderabschreibungen.
Hohe Marge mit Verbrauchsmaterialien
Der Blick auf die erfolgsverwöhnte Druckersparte zeigt zwar, dass diese nur noch für knapp 30 Prozent der Umsätze verantwortlich ist, sie fährt aber regelmäßig auch an die 60 Prozent der Gewinne ein. Der bestimmende Faktor ist dabei eindeutig das Segment "Verbrauchsmaterialien für Drucker": Beindruckend zeigt sich dessen Quartalsumsatz, der zuletzt mit umgerechnet rund 2,7 Milliarden USD angegeben wurde. Das sind umgerechnet rund 2,4 Mrd. Euro oder auch ein Fünftel vom Konzernumsatz.
Aus dem aktuellen Finanzbericht geht lediglich die Marge für die gesamte Druckersparte hervor - und die liegt bei 18,3 Prozent. Die Gewinnmarge für Tinte, Toner und Co. allein dürfte annähernd bei 25 Prozent liegen. Beides sind sensationell hohe und führende Werte in der Branche.
An der Drucker-Hardware (insbesondere für Privatkunden) selbst verdienen weder HP noch die meisten anderen Hersteller nennenswert Geld - wenn überhaupt. Der ehemalige HP-Chef Lores verriet in einem Interview Anfang 2024, dass man zunächst mit einem Verlust starte und dann erst durch das Folgegeschäft in die Gewinnzone kommt. Die große Ausnahme dürften vornehmlich Tanksysteme (allen voran Epson Ecotank) sein, bei denen die Gewinne vorgelagert sind. Die überwiegende Strategie von HP basiert allerdings auf dem Verkauf von Kartuschen oder "noch besser": "Instant Ink"-Tintenabos.
Aus dieser Sicht ist es vollkommen verständlich, dass HP diese Einnahmequelle nicht kampflos anderen überlassen will. Zur Wahrung legen die Amerikaner eine besonders strikte Haltung gegenüber der Nutzung von günstigeren Drittanbietern an den Tag. Unstrittig dürfte auch das Agieren gegenüber gefälschten Patronen sein, die den Kunden im Glauben lassen, dass man Originalware erworben hat.
Ganz oben auf der Prioritätenliste von HP stehen aber wohl Nachbauten und zum Teil auch aufbereitete Originalpatronen, die nicht selten Patente verletzen und eben auch die Gewinne durch entgangene Einnahmen schmälern.
Ergriffene Maßnahmen
In einem aktuellen Blog-Post erläutert Joe Pacula
, Präsident für den Geschäftsbereich Verbrauchsmaterialien (für Drucker) bei HP, was der Branchenprimus an Maßnahmen ergriffen hat, um die Rechte bezüglich der eigenen Patente zu schützen.
Urteil gegen "Ninestar Corporation"
Tatsächlich spannend ist ein aktuelles (jedoch noch nicht rechtskräftiges) Urteil, welches im Mai 2026 von einem deutschen Gericht gegenüber der "Ninestar Corporation" und vier ihrer Tochtergesellschaften ausgesprochen wurde. Das chinesische Unternehmen, welches sich erst kürzlich in "Pantum Technology" umbenannt hat, ist der weltweit größte Anbieter von Drittanbieter-Verbrauchsmaterialien und auch von dafür benötigte Chips.
In dem Urteil, gegen das Ninestar bereits Berufung eingelegt hat, geht es um die Verletzung des europäischen HP-Patents EP3530470. Interessanterweise geht es dabei nicht um Patentverletzungen beim Nachbau von Patronen, sondern um durch Ninestar aufbereitete Originalkartuschen, die man gereinigt, wiederbefüllt und dann technisch modifiziert wieder in Umlauf gebracht hat.
Das Problem an der Sache ist, dass Ninestar das dafür nötige Leergut weltweit beschafft oder einsammelt, zentral aufbereitet und dann in unterschiedlichen Märkten direkt oder über andere Händler wieder zum Kauf anbietet. So kam es dazu, dass man hierzulande Patronen kaufen konnte, die ursprünglich nicht für den hiesigen Markt bestimmt waren. Der Vorgang wird in dem Fall als Parallelimport bezeichnet. Wichtig zu wissen ist, dass nahezu alle Drucker-Verbrauchsmaterialien elektronisch so kodiert sind, dass diese nur mit Druckern in der jeweiligen Region funktionieren. In erster Linie ermöglicht das einen regional angepassten Vertrieb samt unterschiedlicher Bepreisung für unterschiedlich funktionierende Märkte. Aktuell gibt es bei HP mit Nordamerika, EMEA, Lateinamerika und Asien-Pazifik/Japan vier Regionalzonen.
Mehr oder weniger unstrittig war bereits, dass der Vertrieb von Waren, die nicht für den entsprechenden Markt vorgesehen sind, nicht im Einklang mit dem Erschöpfungsgrundsatz steht - ein Rechtsgrundsatz, der nicht nur im EU-Binnenmarkt gilt.
Vereinfacht gesagt kann der Originalhersteller selbst bestimmen, in welchen Regionen bestimmte Produkte eingeführt werden dürfen. Dieses Recht erschöpft sich in dem Moment, in dem HP die entsprechenden Kartuschen dort selbst erstmals vertreibt. Das bedeutet, dass Ninestar (unter Einhaltung aller anderen Patente) zwar europäisch lokalisierte Patronen aufbereiten und in Europa erneut anbieten darf, jedoch keine, die seitens HP ausschließlich für asiatische (oder andere) Märkte bestimmt sind.
Die Besonderheit am vorliegenden Urteil ist aber vielmehr, dass (in erster Instanz) erfolgreich gegen Ninestar als Anbieter der aufbereiteten Originalpatronen vorgegangen wurde, obwohl diese (in Deutschland) von Ninestar selbst gar nicht vertrieben wurden. Bislang musste man immer erst gegen die Inverkehrbringer (also Händler) vorgehen, die oftmals gar nicht wirklich greifbar sind. Durch das Gericht wurde angeordnet, dass die Beklagte (Ninestar) die patentverletzenden Tätigkeiten einstellen muss, sowie die Verkaufserlöse offenzulegen. Dazu kommen die Zahlung von Schadensersatz und die Übernahme der Anwaltskosten.
Weltweite Durchsetzungsmaßnahmen
Darüber hinaus setzt HP seine Rechte am geistigen Eigentum (also Patente) weiterhin global durch. In Europa wurden beispielsweise in der ersten Hälfte des Geschäftsjahrs (November 2025 bis April 2026) zwei Urteile am Europäischen Patentgericht gegen Wiederverkäufer erwirkt, die die Tintenpatronen der Serien 937 (für die aktuellen Officejet-9000er-Modelle) und 924 (8000er-Modelle) betreffen. Eines davon folgt auf einen früheren Vergleich. Auf die Urteile, die sich unter anderem auf Deutschland, Frankreich und die Niederlande, erstreckten, folgten Vergleiche und Unterlassungsaufforderungen gegenüber Lieferanten.
Diese Maßnahmen führten zu Unterlassungserklärungen, die von der in China ansässigen Aster Graphics Company Ltd, einem der größten Hersteller von kompatiblem Druckerzubehör, sowie von zwei ihrer europäischen Tochtergesellschaften unterzeichnet wurden. Diese Erklärungen decken die Patente EP286630, EP3530469 und EP3835965 ab und beinhalten die Zahlung von Schadensersatz.
Durchsetzung auf digitalen Marktplätzen
Neben den Herstellern und Wiederverkäufern hat HP auch die Onlinemarktplätze im Blick. Bei diesen haben die Hersteller nicht selten schnellere Erfolge, weil diese außergerichtlich agieren.
Allein in den ersten drei Monaten des Jahres will man über 1.700 (aus Sicht von HP) rechtsverletzende Angebote von Kartuschen für HP-Drucker vom Amazon-Marktplatz in ganz Europa und in den Vereinigten Staaten entfernen lassen haben.
Vorrangig ging es dabei um die 220er-Tonerkartuschen (sowie die als 210, 218 und 219 regionalisierten Versionen), die in den aktuellen 4000er-Laserdruckern verwendet werden. Davon umfasst waren mehr als 150 verschiedene Markennamen und Verkäufer, die ihren Sitz zumeist in China haben. Druckerchannel hatte bereits Anfang 2023 über solche "Designtäuschungen" berichtet.
Proaktiver Schutz / ACF-Programm
Darüber hinaus bildet das "HP Anti-Counterfeit and Fraud (ACF) Program - zu Deutsch "HP Programm zur Bekämpfung von Fälschungen und Betrug (ACF)" - einen wichtigen Eckpfeiler in der Strategie von HP. Ein Teil besteht dabei aus der Sensibilisierung von Endkunden und auch Partnern, damit diese gefälschte Ware von Originalware erkennen. Geschäftskunden bietet man zudem Schulungen zum Thema an.
Im zweiten Teil des Programms arbeitet man mit Strafverfolgungsbehörden zusammen. Allein diese Bemühungen sollen im ersten Quartal des Jahres 2026 zu mehr als 670.000 Beschlagnahmungen gefälschter HP-Produkte (das meiste davon dürften Drucker-Verbrauchsmaterialien sein) geführt haben. Von Online-Kanälen und digitalen Marktplätzen wurden mehr als 10.000 gefälschte Angebote und Seiten entfernt. Über die letzten drei Jahre hinweg hat sich die Zahl sogar auf über acht Millionen summiert.



