Ricoh SP-2230N und SP-2240N: Dokumentenscanner mit "DirectScan" samt OCR
Der japanische Hersteller PFU ist nicht nur der weltweit unangefochtene Marktführer bei Dokumentenscannern, sondern gilt bei vielen auch als qualitative Referenz.
Ricoh, zu dem das Unternehmen mittlerweile gehört, bietet für unterschiedliche Zielgruppen drei Geräteklassen an. Seit 25 Jahren gibt es die "ScanSnap"-Serie, die sich, wie der aktuelle iX2500, an Privatanwender oder kleinere Unternehmen richtet. Professioneller wird es mit der "SP"-Serie (für "Standard Performance"), die zudem über die ISIS- und TWAIN-Schnittstelle auch die Integration in Anwendungen von Drittanbietern ermöglicht.
Geräte aus der High-End-Klasse gehören der "fi"-Serie an, die über eine besonders präzise Papierverarbeitung und Erkennung von Fehleinzügen verfügen. Einige dieser Modelle gibt es mittlerweile sogar als Aufsatz für Multifunktionsdrucker von Ricoh. Die Abkürzung "fi" stand übrigens ursprünglich für "Fujitsu Image" - vor der Übernahme durch Ricoh gehörte das Unternehmen zum ebenfalls japanischen Konzern Fujitsu.
Mit einer nun runderneuerten SP-Serie zeigt Ricoh, dass die Grenzen etwas verschwimmen. Die zwei vorgestellten neuen Modelle bieten noch mehr Vielfalt und Flexibilität beim Einzug von Originalen und verwenden den neuen "iiGA"-Prozessor, der auch ohne Computer eine verbesserte Bildverarbeitung samt integriertem OCR bietet. Im "DirectScan"-Modus lassen sich somit vollständig autark durchsuchbare PDF-Dokumente erstellen - das kann derzeit kein "fi"-Gerät.
Als einziges Modell der bisherigen SP-Reihe wird der etwas spezielle Ricoh SP-1425 mit Flachbett übrigens nicht abgelöst und bleibt dem Portfolio erhalten.
Ricoh SP-2230N und SP-2240N
Neu dazu kommen dagegen die Desktop-Modelle Ricoh SP-2230N (30 ppm) sowie der mit 40 ppm nochmals flinkere SP-2240N. Abgesehen vom Tempo gibt es funktional keine Unterschiede.
Die beiden Neulinge ersetzen die drei bisherigen Modelle SP-1120N, SP-1125N und SP-1130N, die die Klassen mit 20, 25 und 30 ppm abgedeckt haben.
Zumindest der unverbindlichen Preisempfehlung nach hat es die neueste Generation in sich: Rund 740 bzw. 580 Euro sind schon eine Ansage. Jedoch hat diese mit dem Marktpreis wenig zu tun, wo sich dieser doch bereits kurz nach der Vorstellung auf fast die Hälfte eingepegelt. Und damit ist die SP-Serie preislich ziemlich attraktiv. Der fi-8040 aus der gehobenen Serie ist dicht auf dem Fersen.
Alle Geschwindigkeitsangaben gelten für 200 oder 300 dpi, in Farbe wie auch in S/W. Aufgrund von leistungsstarken Prozessoren (in dem Fall der "iiGA"-Chip) gibt es beim automatischen doppelseitigen Scan keine Einbußen, wodurch die Scanner dann auf 60 oder sogar 80 ipm kommen. Für die wenigen Scans, die man in der Praxis mit einer höheren Auflösung (bis zu 600 dpi) macht, gelten jedoch üblicherweise andere Geschwindigkeitswerte. Genaue Angaben macht Ricoh hierzu nicht. Zu beachten ist jedoch, dass sich die Datenmenge quadratisch in Bezug zur Auflösung erhöht. Dies kann das Öffnen der erstellten Dokumente spürbar verlangsamen.
Gehäuse und Sensorik
Auffällig bei der neuen Generation ist der Wechsel von hellgrauen Gehäusen, welche bislang für die SP-Serie typisch waren, hin zu einem dunkelgrauen bis schwarzen Design. Durch die drei frei belegbaren Tasten hat sich auch am Bedienpanel etwas getan - mehr dazu weiter unten.
Etwas schade ist, dass es weiterhin keine integrierte Abdeckung gibt, die die Geräte bei Nichtbenutzung vor Staub schützt. Sowohl die Papiereingabe als auch die Ausgabe lassen sich "lediglich" in zwei Stufen ausfahren.
Bei der SP-Vorgängerserie ist es dagegen vorgesehen, dass die Papierablage nach der Nutzung nach oben geklappt wird, aber auch dann nicht das Eingabefach verschlossen hat. Dieser Punkt geht eindeutig an den zuklappbaren Scansnap iX2400, der allerdings auch für niedrigere Durchsätze ausgelegt ist und entsprechend häufiger auf einen Auftrag wartet.
Eine Verbesserung gibt es dagegen bei der Aufnahmekapazität. In einem Schwung können nunmehr 80 Originale (bislang 50) mit normaler Grammatur eingelegt werden. Die bewährte und zuverlässige Mechanik dürfte in den meisten Fällen für einen geraden Einzug sorgen - eine automatische Korrektur ist jedoch nicht vorgesehen.
Verbaut ist dafür aber ein Ultraschallsensor, der Doppeleinzüge automatisch erkennt und den aktuellen Auftrag dann sofort stoppt. Dieser wird übrigens im "manuellen Einzelmodus" (der Umschalter ist oben zu finden) deaktiviert, wodurch sich dann auch aneinandergeklebte, gefaltete oder besonders lange Dokumente einziehen lassen. Eine automatische Längenerkennung per Sensor kann ebenso "ungewöhnliche" Originale detektieren und im Zweifel monieren.
Weiterhin nur der "fi"-Serie vorbehalten bleibt die "iSOP"-Technologie ("Intelligent Sonic Paper Protection"), bei der ein hochsensibles Mikrofon beim Einzug zuhört, ob sich ein Papierstau mit seinen typischen "Knistergeräuschen" erkennbar macht.
Formate und Medien
Starke Verbesserungen gibt es beim Einzug. Dieser bietet in der neuen Generation nicht nur eine höhere Kapazität, sondern nimmt auch dickere und dünnere Originale auf.
Die Liste der zulässigen Formate zeigt für die gebotene Klasse zunächst das übliche Bild. Im Standardmodus für mehrseitige Dokumente gelten 50,8 x 50,8 mm als Minimum und 21,6 x 35,6 mm als Maximum. Damit sind alle DIN-Formate zwischen A8 und A4 und etwas darüber hinaus abgedeckt. Im Modus für längere Originale (z. B. Kassenbons oder Banner) lassen sich einzeln auch bis zu 609,6 cm lange Vorlagen verarbeiten. Die native Scanauflösung ist jedoch "nur" bis 86,4 cm einstellbar. In weiteren Stufen gelten dann für das längstmögliche Format maximal 200 dpi.
Bei der Grammatur hat man stark nachgebessert und zieht jetzt mit anderen Geräten (maßgeblich war vermutlich der Epson Workforce DS-530III) nach. Anstatt bei 209 g/m² ist bei den SP-22er-Modellen nun erst bei 413 g/m² Schluss. Auf der anderen Seite können indessen auch hauchdünne Vorlagen ab 27 g/m² verarbeitet werden. Lediglich bei sehr kleinen Formaten ist man (durch die Mechanik bedingt) auf Vorlagen im Bereich zwischen 128 und 209 g/m² beschränkt.
Generell müssen "schwere" Originale, also ab 209 g/m², im Einzelblattmodus und somit eines nach dem anderen eingelegt werden. Bis zu diesem Grenzwert ist dagegen auch eine gemischte Bestückung (was Format und Grammatur angeht) möglich - das ist einer der größten Vorteile von guten Dokumentenscannern.
Weiterhin möglich ist der Einzug von bis zu einer Plastikkarte. Geprägt oder ungeprägt darf diese die Dicke von 1,4 Millimetern jedoch nicht überschreiten. Es gilt die Norm ISO/IEC 7810 ID‑1, die auch die Größe von 85,6 mm x 53,98 mm festlegt.
Für besonders empfindliche Vorlagen bietet Ricoh gegen Aufpreis Trägerblätter (Folientaschen) an, in die man auch ein gefaltetes A3-Blatt einlegen kann, welches dann auf Wunsch per Software wieder zusammengesetzt wird. Erhältlich sind auch kleinere Trägerblätter für Fotos. In einem Durchlauf sollten nicht mehr als drei Trägerblätter in die Zufuhr gelegt werden.
Nicht möglich ist dagegen die Verarbeitung von Reisepässen oder anderen kleinen Büchern. Für diese Aufgabe ist ein Modell mit Flachbettauflage oder, noch eleganter, der fi-800R mit seinem cleveren Front-Einzug mit Rückgabefunktion empfehlenswert.
Schnittstellen und Treiber
Während es sich bei der Vorgängerserie um an einen Computer gebundene Arbeitsplatzgeräte gehandelt hat, können sowohl der SP-2240 als auch der günstigere SP-2230N bei Bedarf vollständig autark genutzt werden.
Rein lokal über USB (3.2 Gen 1x1, neuerdings "Typ C") angeschlossen gibt es diesbezüglich keine Änderung im Ablauf. Unter Windows gibt es Treiber für die Standardschnittstellen TWAIN und ISIS sowie eine WIA-Unterstützung. ISIS ist jedoch auf ARM-basierten Rechnern nicht nutzbar. Mac OS und sogar Linux werden über ICA- und SANE-Treiber unterstützt. Ausschließlich mit Windows lässt sich jedoch die verbaute Gigabit-Ethernet-Schnittstelle zum Scannen nutzen.
Der Zugriff auf den integrierten Webserver (EWS, bei Ricoh "PaperStream Scanner Admin" genannt) zur Konfiguration klappt natürlich von allen Endgeräten mit einem lauffähigen Webbrowser. Über diesen kann man dann die autarken Scanfunktionen konfigurieren, die man auf die drei physischen Tasten legen kann. Die als "DirectScan" bezeichnete Funktionalität kennt Ziele auf SMB-Laufwerken, FTP-Freigaben oder auch an E-Mail-Servern. Für letztere wird auch der moderne Authentifizierungsstandard "oAuth 2.0" unterstützt.
Die Besonderheit im "DirectScan"-Modus ist, dass dieser mit der neuen Generation auch eine OCR-Funktionalität bietet. Im Netzwerk abgelegte oder zu E-Mail-Adressen versendete Scans sind also direkt durchsuchbar. Auf Anfrage hat uns Ricoh bestätigt, dass dies die Scangeschwindigkeit nicht beeinflusst. Der Arbeitsspeicher im Scanner ist groß genug, dass diese Daten zwischengespeichert werden können. Die finale Ablage der Scans kann sich dagegen etwas verzögern.
Drahtlose Netzwerkverbindungen sind nicht vorgesehen. Eine entsprechende Möglichkeit ist auch als Option nicht erhältlich - zumindest seitens Ricoh.
Trotz USB-C-Unterstützung (ein Kabel auf USB-Typ-A gehört zum Lieferumfang) gibt es für die Stromversorgung einen dedizierten Anschluss, an den man dann ein externes Netzteil stecken muss.
Unklar ist, ob der treiberlose Standard "eSCL" unterstützt wird - vermutlich ja. Mopria-Scan und Airprint-Scan sind jedoch weder in den Spezifikationen noch auf den entsprechenden Kompatibilitätslisten vermerkt.
Software
Software bietet Ricoh dagegen ausschließlich für Windows-Systeme (ab Windows 10 und Server 2016) an. Dazu zählen Tools zur Administrierung. Bei der Lösung "PaperStream IP" handelt es sich um die typische Treiberoberfläche mit hostbasierter automatischer Bildverarbeitung. Eigene Profile für zu scannende Dokumente lassen sich dagegen mit "PaperStream Capture" umsetzen. Wenn entsprechend konfiguriert, kann ein eingestelltes Profil auf Knopfdruck am Gerät selbst ausgelöst werden.
Die Basisversion von "PaperStream Capture" ist kostenlos. Erweiterte Funktionen, dazu zählt auch "zonales OCR", sind dagegen erst in der lizenzpflichtigen Version "PaperStream Capture Pro" oder "PaperStream Capture Pro Premium" gegen Aufpreis erhältlich. Bei schnellen Scans mit wenig Einstellbedarf bietet Ricoh mit "PaperStream ClickScan" eine weitere äußerst einfache Anwendung.
Display und Bedienung
Das Bedienpanel unterscheidet sich bei den beiden Geräten nicht voneinander und ist ziemlich funktional (fast schon euphemistisch für simpel) gestaltet. Aufgrund der autarken Funktion gibt es neben der bisherigen (größeren) Start-Taste nun auch drei Funktionstasten. Diese lassen sich über den EWS frei konfigurieren und belegen.
Der Umschalter vom Standardmodus hin zum manuellen Betrieb findet sich ganz oben. Letzterer ist beim Scan von Originalen mit Grammaturen ab 209 g/m² oder auch längeren Vorlagen nötig. In diesem Modus greift der Ultraschallsensor nicht und moniert somit auch keine verklebten Kassenbons.
Ein Display ist weiterhin nicht verbaut. Es gibt immerhin zwei Status-LED-Anzeigen. Eine zeigt eine aktive Netzwerkverbindung an, während die andere den Aktivitäts- und Fehlerstatus darstellt.
| Ricoh-SP-Dokumentenscanner (ohne Flachbett, 2026) | ||
|---|---|---|
Neu | Neu
| |
| Preis inkl. MwSt. | ca. 740 Euro | ca. 580 Euro |
| Vorgänger | SP-1120N (20 ppm), SP-1125N (25 ppm), SP-1130N (30 ppm) | |
| Verwendung | Mit Computer (via USB oder Ethernet) ✓ Autark zu SMB oder SMTP (via Ethernet) ✓ | |
| ADF-Kapazität | bis zu 80 Blatt | |
| Ausgabakapazität | (derzeit nicht bekannt) | |
| ADF-Typ | Dual-Duplex (2 Scanzeilen) | |
| ADF-Tempo Simplex / Duplex (bis 300 dpi in Farbe) | 40 ppm / 80 ipm (40 ppm) | 30 ppm / 60 ipm (30 ppm) |
| Ultraschallsensor | ja (und Papierlängenerkennung) | |
| iSOP ("Intelligent Sonic Paper Protection") | — (exklusiv für die fi-Serie) | |
| Papiertrennsystem | Bremsrolle ("Pick & Feed" in einem Durchgang) | |
| maximale optische Scanauflösung | 600 dpi (1.200 dpi durch Interpolation) | |
| Flachbett | — | |
| Ergonomie | ||
| max. tägliches Scanvolumen | 6.000 Seiten | 4.500 Seiten |
| Display / Bedienpanel | drei frei belegbare "Send-to"-Tasten (lokal oder autark) Start/Stop-Aktions-Taste Status-LEDs zur Fehler- und Aktivitätsanzeige | |
| Staubschutz | — | |
| Eingabefach | ausziehbar (2-fach) | |
| Ausgabefach | ausziehbar (2-fach) | |
| DirectScan (autark) | ||
| SMB / FTP | ja (auch mit Hardware-OCR) | |
| E-Mail (Basis oder oAuth 2.0) | ja (auch mit Hardware-OCR) | |
| Formatspezifikationen | ||
| Mindestgröße | 50,8 x 50,8 mm (z. B. ab Din A8) | |
| Höchstgröße | 215,9 x 355,6 mm (größer als Din A4) | |
| Einzelne Banner (gerader Einzug) | Länge bis 609,6 cm (über sechs Meter) | |
| A3 gefaltet | ja (mit Trägerblatt/Folientasche) | |
| Grammatur | 27 bis 413 g/m² (Format A8, 128 bis 209 g/m²) (ab 209 g/m² nur im Einzelblattmodus) | |
| Plastikkarten | ja, eine Karte 85,6 x 53,98 mm (ISO/IEC 7810 ID‑1) mit oder ohne Prägung, max. 1,4 mm dick | |
| Reisepass (Buch) | — | |
| Software/ Verbindung | ||
| Windows-Treiber und Software | ISIS (nur x64/x86), TWAIN, WIA PaperStream Softwarepaket (PaperStream IP, IP Net, NX Manager, Capture, ClickScan, Central Admin) | |
| Mac-Treiber | ICA | |
| Linux-Treiber | SANE | |
| Netzwerk | Ethernet (10BASE‑T, 100BASE‑TX, 1000BASE‑T) | |
| USB / USB-Host | USB 3.2 Gen 1x1 (Typ C auf Typ A) / nein | |
| Verbrauchsmaterial / Optionen | Rollenset mit Aufnahme- und Trennwalze (60 Euro, 200.000 Seiten, CON-3880-200K) A3-Trägerblatt (50 €, 5 Stück, PA03360-0013) Foto-Trägerblatt (30 €, 3 Stück, PA03770-0015) | |
| Stromversorgung | via eines externen (proprietären) Netzteils | |
| Garantie | nur 1 Jahr, Austauschservice (gegen Aufpreis auch weitere Optionen) | |
| Alle Daten | technische Daten | |
| © Druckerchannel | ||
Verschleißteile und Optionen
Regulär bedarf es für die neuen Ricoh-Scanner lediglich nach 200.000 Seiten eines neuen Rollensets. Dieses beinhaltet die Einzugs- als auch die Brems-Rolle. Das Set mit der Bestellnummer CON-3880-200K kostet knapp 60 Euro. Für die Reinigung zwischendurch gibt es zudem Reinigungstücher.
Die Trägerfolien für große Vorlagen (z. B. gefaltete Originale in A3) sind im Fünferpack erhältlich und sollen bis zu 500 Scandurchläufe überstehen. Kostenpunkt: üppige 50 Euro. Für 30 Euro gibt es auch ein Dreierpack für kleinere Originale.
Garantie und Verfügbarkeit
Beide neuen SP-Geräte sind bereits seit Anfang Juli 2026 im Handel erhältlich. Ricoh gewährt eine Garantie von mageren zwölf Monaten ab dem Kauf.
Im Fall der Fälle will der japanische Hersteller ein Ersatzgerät zum Kunden liefern.
Scanner-Finder vom Druckerchannel
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