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Die DOMK-2011-Konferenz: Ein- und Ausblicke in die Druckerbranche

Die DOMK ist eine Konferenz zum Thema Output Management und MPS. Das Thema "Managed Print Services" existiert nicht mehr nur in Marketing-Broschüren und in Fachkreisen – es ist beim breiten Fachpublikum und beim Handel angekommen.

Rund 120 Teilnehmer trafen sich im Münchner Flughafen Hotel Kempinski, um Vorträge zum Thema "Managed Print Services" zu hören. Neben den Vorträgen von Kycoera und LRS gab es Kunden-Vorträge – gehalten von Projektleitern und Einkäufern. Sie stellten ihre MPS-Projekte vor und erläuterten auch Probleme, die während der Projektphase auftraten.

MPS, das wird auch in dieser Konferenz deutlich, hat zahlreiche Facetten. Es gibt weder eine eindeutige Definition, noch taugt es als alleiniger Heilsbringer für die Branche – auch wenn sich für klassische Händler und Druckeranbieter ganz neue Geschäftsfelder öffnen. Technologisch und ökonomisch profitieren derzeit vor allem die Kunden von MPS. Mit MPS erhalten sie die volle Kostenkontrolle – und können darüber hinaus messen, wie gut die tatsächliche Service-Qualität der Anbieter ist. Dies stärkt die Verhandlungsposition der Endkunden. Wer in Zukunft diese "Services" nicht bietet, wird, zumindest bei größeren Projekten, vermutlich gar nicht mehr von Kunden berücksichtigt. MPS ist also kein Marketingtrend, sondern schon längst im Projektalltag angekommen.

Alles aus einer Hand – Erfahrungen von Manpower und Panalpina

Personaldienstleister Manpower schilderte, wie sie die Druckinfrastruktur binnen kürzester Projektlaufzeit in die "MPS-Neuzeit" holten – mit einer ambitionierten Rollout-Planung. Trotz zahlreicher Kleinstfilialen, die über das gesamte Bundesgebiet verstreut sind, konnte das Projektteam alle Termine halten – auch dank des Lieferanten, in diesem Falle Konica Minolta. Der Projektleiter erläuterte zur Gerätemodellpolitik bei Manpower, dass man als IT-Manager nicht die Modellvielfalt schätzt, sondern dass es durchaus Sinn ergibt, auf eine "Ein-Hersteller"-Strategie zu setzen – besonders wenn man eine enge Projektplanung verfolgt.

Eine "Ein-Hersteller"-Strategie wurde auch vom Logistiker Panalpina gemeinsam mit dem Hersteller Canon verfolgt. Panalpina erläuterte das MPS-Projekt, dass besonders im Zeichen der Reduzierung der TCO, globaler Standardisierung und Kostentransparenz stand. Dazu wurde eine einheitliche Client-Print-Struktur ausgerollt – per Print-Server werden auf allen Kontinenten die Endgeräte in nahezu Echtzeit überwacht. 31 Prozent an direkten Kosten konnte durch die Überarbeitung der Infrastruktur erspart werden. Solche Einsparungen lassen sich nicht ohne Widerstände im Unternehmen durchsetzen – besonders wenn es um des deutschen Büromitarbeiter zweitliebsten Kind geht (nach dem Firmenparkplatz) – dem eigenen Drucker.

Höchste Sicherheitsstufe bei PWC

Weniger die Kosten, sondern mehr die Sicherheitsanforderungen standen bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC im Vordergrund. Es galt eine, nach menschlichem Ermessen, hackerfeste Druckinfrastruktur zu etablieren. Schnell stellte sich bei PWC heraus, dass die zu Projektbeginn am Markt vorhandenen Sicherheitslösungen für Druckgeräte keineswegs sicher sind – sie wurden von PWC engagierten Hacking-Dienstleistern teils in kürzester Zeit gehackt.

Erschwerend kamen auf die Projektleitung unkalkulierbare externe Einflüsse zu. Kurz bevor die sichere Druckinfrastruktur ausgerollt werde konnte, wies der Chaos Computer Club nach, dass ein weitverbreitetes Ident-Kartensystem (welche auch bei bei PWC eingesetzt wurde) keineswegs sicher war – der Rollout musste somit kurz vor Beginn erst einmal gestoppt werden, bis das Ident-Kartensystem aufgerüstet wurde. Letztendlich gelang es aber doch, pünktlich zum Bezug des neuen Gebäudes eine hackerfeste Drucklösung zu etablieren – die wohl sicherste Druckinfrastruktur überhaupt. Ein Schlüsselfaktor des Projekterfolgs war, dass interne und externe Projektteam-Mitarbeiter sowie alle Lieferanten, allen voran Xerox, am gleichen Strang zogen.

Autohersteller will Drucken ökonomischer und ökologischer machen

Das Daimler-VCTOM-Projektteam suchte an allen Ecken und Enden im Konzern, wie man den Druck im Konzern ökonomischer und ökologischer machen kann und stellte einige Ideen auf der DOMK 2011 vor. Manches davon wurden bereits umgesetzt und erzielt Kosteneinsparungen in Millionenhöhe und deutliche CO2-Senkungen.

Aufgrund der großen Infrastruktur können bei Daimler selbst kleine Änderungen, beispielsweise die Verringerungen des Tonerdeckungsgrades, sich zum großen Sparvolumen summieren. Zudem denkt man im Konzern laut über den Einsatz von Alternativtonern nach, was bei dem einen oder anderen Herstellervertreter im Publikum für kurzfristig entgleiste Gesichtszüge sorgte – und für Vertreter der Alternativtoner-Branche für spontane Begeisterung.

Technisch interessant war der Ansatz vom Daimler-Team, mittels einer Middleware sämtliche Druckdatenströme aufzufangen und umzuarbeiten, damit sie geräteunabhängig an Endgeräte ausgegeben werden können. Dazu ist in Planung, noch einige Überwachungs- und Managementfunktionen anzudocken. Dadurch soll eine Geräte- und Herstellerunabhängigkeit erreicht werden. Bisher, so räumte das Projektteam ein, ist der Markt noch nicht so weit, eine solche Komplett-Software-Lösung anzubieten. Aber die Gespräche und Tests mit potentiellen Lieferanten laufen bereits seit geraumer Zeit und man ist zuversichtlich, bald essentielle Teile des Middleware-Projekts einzusetzen.

Ausblick und Zukunft des Druckermarkts

Zum Abschluss gab Jean Louis de La Salle von der Photizo Group einen Überblick zur Entwicklung von MPS. MPS an sich, so La Salle, ist kein Selbstläufer sondern mit einer hohen Investition seitens der Anbieter verbunden – und MPS erfordert eine komplette Umstrukturierung des Vertriebs- und Service-Teams.

Wer als Händler oder Hersteller nur halb in MPS einsteigt wird gänzlich scheitern, so der Marktanalyst. Aber auf für Endkunden und Anwender hält er den Rat bereit, nicht jede Preisschlacht auszunutzen, die sich jetzt am Markt abspielt – sonst steht man am Ende ohne Lieferant da, da ab einem gewissen Punkt Hersteller und Handel es sich nicht mehr leisten können, überhaupt zu liefern.

Der gesamte Drucker-Markt stagniert laut Photizo – die Zeiten der regelmäßigen zweistelligen Zuwächse sind vorbei. Wachsen wird hingegen der MPS-Markt – auf Kosten des traditionellen Verkaufs. Für klassische Verkäufer, sogenannte Boxmover, wird der Markt also deutlich enger, was wiederum den Preisdruck nochmals erhöhen dürfte.

Die nächste DOMK wird 2012 stattfinden – wieder zum Herbstbeginn.

30.09.11 08:49 (letzte Änderung)

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